Ist das so schwer?
14. Mai 2008
Ich hab mir vor kurzem viel Zeit genommen, um der Online-Zeitung meiner Wahl ein ausführliches Feedback-E-Mail zu schicken. Da ist viel Arbeit hinein gegangen, was man sicher auch gesehen hat.
Ich verstehe zwar, dass derStandard.at ein großes Unternehmen ist und ich sicher nicht der einzige bin, der ein E-Mail hinschickt. Aber ich weiß nicht einmal, ob das E-Mail überhaupt gelesen wurde!
Ist es so schwer, eine automatische Antwort auszuschicken?
Ein “Danke, wir haben deine Nachricht erhalten, wir diskutieren immer unser Feedback!” hätt’s schon getan. So etwas scheint echt schwer zu sein.
Community-Profil: Echtheits-Zertifikate?
2. Mai 2008
Social Networks, die für ernsthafte Zwecke eingesetzt werden sollen, haben zur Zeit einen wesentlichen Fehler, der die wirklich ernsthafte Verwendung behindert.
Denn: Wer garantiert mir, dass Bill Gates auf LinkedIn auch der Echte ist?
Im Fall von LinkedIn kann das durchaus problematisch sein, da hier professionell gearbeitet wird, bzw. nicht professionell gearbeitet werden kann, weil die Vertrauenswürdigkeit nicht gegeben ist. Das Problem existiert aber auch sonst.
Als Pownce gestartet ist, hat Chris Pirillo bemerkt, dass er dort bereits existiert hat. Irgendjemand hat seinen Namen genommen und ein Profil angelegt - ohne sein Wissen oder Zutun. Das Profil war vermutlich nicht in böswilliger Absicht angelegt, wer weiß - es hat aber das grundsätzliche Problem aufgezeigt.
Wie kann man nun die Echtheit von Profilen beweisen und bestätigen? Am einfachsten geht das wohl mit Kreditkarten - Amazon macht das so.
Das Problem: Ich will nicht jeder Seite meine Kreditkartennummer geben. Ganz im Gegenteil - ich will sie so wenigen Seiten wie möglich geben.
Eine andere Möglichkeit wäre die Integration direkt in Authentifizierungs-Systeme wie OpenID oder die Schaffung eines Identity-Webservices. Vertrauenswürdige Firmen (Google, Yahoo, Facebook, LinkedIn) könnten (optional) die Echtheit der Benutzer bestätigen und diese Daten über ein Web-Service an andere Web-Projekte zur Verfügung stellen.
Twitter könnte bei der Anmeldung eine Echtzeitsbestätigung anbieten, bestätigte Profile könnten dadurch extra bestätigt werden und auch als solche ausgezeichnet werden. Andere Websites könnten diese Echtheitsbestätigung auch verpflichtend fordern, zum Beispiel Online-Shops oder Business-Netzwerke.
Wie könnte dieses Problem anders behoben werden? Oder sehe ich hier einen Sturm im Wasserglas?
Microsoft + Yahoo: Bitte nicht!
28. April 2008
Die Yahoo!-Microsoft-Übernahme-Streitereien der letzten Monate sind wohl niemandem entgangen, gerade am Samstag ist wieder eine Deadline abgelaufen. Hoffentlich veranlasst sie Microsoft, seine Avancen gegenüber Yahoo zu stoppen. Yahoo ist für Microsoft keine 45 Milliarden Dollar wert, Yahoo ist das ohnehin zur Zeit nicht wert.
Das Management scheint Jerry Yang, den alten neuen Yahoo-Chef zwar zur Übernahme drängen (weil sie ihre Aktien verschachern wollen und von Microsoft weitere Optionen erwarten, damit sie bleiben), die übrigen Mitarbeiter sind dagegen, primär aus ideologischen Gründen.
Yahoo macht aber weder wirtschaftlich noch produktpolitisch Sinn für Microsoft. Das einzige, was Microsoft nützliches von Yahoo erhalten würde, wäre das Werbe-Inventar und der Suchmaschinen-Marktanteil. 45 Milliarden sind diese Dinge aber nicht wert.
Microsoft sollte stattdessen 20 Milliarden Dollar (darüber würden sich die eigenen AktionärInnen sehr freuen) einsetzen, um massenhaft Start-Ups aufzukaufen, diese aber eigenständig weiterarbeiten lassen. Keine Zwangs-Integration mit Windows Live, kein Re-Branding, kein Einsetzen von eigenen Managern. Das einzige sollte sein, dass sie die Vermarktung übernehmen, wo das sinnvoll ist.
Unter anderem sollten sie dabei versuchen, Infrastruktur-Unternehmen zu kaufen. Nicht in Form von Hardware-Infrastruktur, sondern in Form von populären APIs. Das ist etwas, was Microsoft mit Live Mesh ohnehin bereits versucht.
Mögliche Übernahmekandidaten wären:
- Twitter: Als Infrastruktur-Unternehmen (Twitter wird immer mehr als Kommunikationsplattform für Anwendungen verwendet, die mit Chatten nichts mehr zu tun haben.) würde es gut ins Portfolio passen. Microsoft kann es sich leisten, kein Geschäftsmodell zu suchen und könnte ohne weiteres die notwendigen 200+ Millionen Dollar aufwenden.
- Zooomr/Smugmug: Eine Foto-Sharing-Community würde Microsoft gut tun. Microsoft könnte Smugmug öffnen (zzt ist Smugmug kostenpflichtig) und hätte damit auf einen Schlag eine würdige Flickr-Konkurrenz. Zooomr geht noch mehr in Richtung Flickr und hat sich geschäftlich Japan zugewandt - aber wer weiß, das kann genau so gut ins Schema passen.
- Digg: Digg ist groß genug, dass der Hass gegen Microsoft nur eine laute Kern-Schicht betreffen würde. Die kann man halten, da sehe ich kein Problem. Im Notfall müssten sie die Kern-Contributors bezahlen, oder so. Damit könnten sie vor allem das Image aufbessern.
- Plaxo: Plaxo passt zu Microsoft wie der Topf auf den Deckel. Wichtig wäre allerdings, dass sie auch Third-Party-Connector-Software weiterhin zulassen, im Sinne einer offenen Plattform, wie Plaxo das jetzt schon ist. Zusätzlich könnten sie die Software kostenlos machen. Damit würden sie sich bei den GeschäftskundInnen “einkaufen”.
- Automattic (WordPress.com): Ein No-Brainer, meiner Ansicht nach, wenn Microsoft sich dazu durchringen kann, WordPress als Open Source-Projekt zu unterstützen.
- imeem: Mit imeem, ein amerikanisches Multimedia-Social-Network und ebenfalls relativ günstig, könnte Microsoft einen weiteren Fuß ins Social Networking-Business setzen. Möglicher Interessenskonflikt mit Facebook, andererseits vermarktet Microsoft Facebook nur, hat dort aber nichts zu sagen. Niemand ist also wirklich gefährdet.
Diese Übernahmen würden Microsoft ca. 3 Milliarden Dollar kosten. Man stelle sich vor, was Microsoft mit weiteren 17 Milliarden Dollar alles aufkaufen könnte.
Ich muss zugeben, dass einige der Vorschläge Microsoft teilweise eine radikale Änderung der bisherigen Firmenkultur abverlangen. Unter Ray Ozzie denke ich aber, dass das durchaus möglich ist. So lange sich Steve Ballmer raus hält…
Live Mesh: Gescheites Synchronisieren, Nicht Mehr!
23. April 2008
Mit großem Trara hat Microsoft-CTO und Bill Gates-Nachfolger Ray Ozzie “Live Mesh” präsentiert, nach mehr als zwei Jahren Arbeit soll Live Mesh die Rettung und Lösung aller Probleme sein.
Live Mesh sollte Google, Linux und Apple vernichten und Windows retten - so in etwa war die Erwartungshaltung.
Geworden ist Live Mesh eine Synchronisierungs-Plattform. Oder, wenn man es besser vermarkten will: ein virtuelles Dateisystem.
Jetzt versteht mich nicht falsch, ich habe lange nach einem vernünftigen Tool gesucht, dass meine Dateien zwischen Laptop und PC synchronisiert, wenn möglich auch noch teilweise auf den PDA, und Live Mesh sieht, soweit ich das von außen sehen kann, nach ziemlich genau dem aus, was ich suche.
Aber: Das ist die große Internet-Strategie?! Daran hat Ray Ozzie jahrelang gearbeitet? Damit will er Microsoft für die Zukunft wappnen? Das ist ein nettes Tool, aber es wird Microsoft’s Probleme nicht lösen. Microsoft wird damit nicht zu einem “Teil” des Internets (wie Google oder in manchen Kreisen Twitter), was es aber werden müsste, um wirklich vernünftig für die Zukunft gewappnet zu sein…
Meine ganz persönliche Vista-Erfahrung
22. April 2008
Ich darf ein neues Sony Vaio mein Eigen nennen, inklusive aller Rafinessen, wie zum Beispiel Windows Vista. Ich habe bisher keine Erfahrungen mit Vista gemacht und sah das ganze positiv: Entweder Vista funktioniert, oder ich verwende die beigelegte Windows-XP-Downgrade-CD und wechsle auf ein uraltes, aber funktionierendes System.
Positives
Die Vista-UI ist schön. Sie ist in keiner Weise mit Mac OS X vergleichbar, Vista ist definitiv farbiger, es ist aber nicht overdesigned, wie das bei Microsoft-Produkten oft der Fall ist. (zB Microsoft Office 2007)
Die Effekte sind toll. Dieses Flip-Window-Dings ist ein Hingucker. Es ist zwar nicht besonders nützlich, aber das sind die meisten Effekte nicht, egal, wer das Betriebssystem entwickelt. Auch die übrigen Effekte können sich sehen lassen.
Einstellungen wurden überarbeitet. Während in Windows XP viele Einstellungen “so irgendwie” ist, wurde in Vista viel durchstrukturiert. Das Synchronisierungs-Center schaut ebenfalls super aus, wobei ich zugeben muss, dass ich das nicht getestet hab.
Neutrales
Hoher RAM-Verbrauch. Es ist allgemein bekannt, dass Windows Vista deutlich mehr Arbeitsspeicher konsumiert. Das kann und soll sicher optimiert werden, trotzdem ist mir das ziemlich egal. Computer haben immer mehr Arbeitsspeicher, wieso soll dieser Arbeitsspeicher nicht auch vom Betriebssystem verwendet werden dürfen?
User-Account-Control nervt nicht. Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung finde ich, dass das UAC-System nicht nervt. Es funktioniert im Prinzip so wie unter Ubuntu - bei Aktionen, die Administrations-Rechte erfordern, wird man aufgefordert, diese Aktionen extra zu bestätigen - dabei wird der übrige Bildschirm etwas abgedunkelt, um das Fenster besser in den Vordergrund zu bringen. (Öffnen von Einstellungen, Installation von Programmen) Ich sehe darin kein Problem.
Negatives
Service Pack 1-Installation. Da gibt es ein einfaches Problem: Ich konnte es nicht installieren. Da es aber einige Performance-Verbesserungen bringen soll, wollte ich es auf jeden Fall haben. Erster Punkt, der gegen Vista spricht.
System-Reperatur-Wizard. Der kam immer wieder beim Hochfahren des Computers und hat 10 Minuten lang versucht, angebliche Fehler zu finden. Sehr nervig, und eindeutig der zweite Punkt, der gegen Vista spricht.
Fazit
Ich habe das Downgrade durchgeführt. Wenigstens das ging erstaunlich einfach. Ich musste nur eine CD einlegen, danach ging alles automatisch, und ich hatte ein völlig neu installiertes Windows XP installiert.
Vista hat Beta-Qualität. Windows Vista ist kein schlechtes System, viele Dinge unter Vista würde ich gerne in Linux sehen, das User Interface gefällt mir sehr gut, die Stabilität war nicht so schlecht, wie ich oft gelesen habe. Aber es hat eindeutig nur Beta-Qualität. Windows Vista hätte in diesem Zustand nicht veröffentlicht werden dürfen, das ist klar.
Wenn die nächste Windows-Version ein stabilisiertes und repariertes Windows mit kleinen Updates ist, bin ich zufrieden. Windows Vista wird sich aber neben Windows ME in die Liste der katastrophalen Fehler einreihen.
Kalter, herzloser Republikaner
21. April 2008
Ein politisch interessierter Freund hat mir heute erklärt, warum er im November auf den Wahlsieg von John McCain hofft:
“Als Amerikaner wär ich natürlich für Obama, als Europäer aber hoffe ich auf einen kalten, herzlosen Republikaner, der den Krieg im Irak und in Afghanistan fortführt, als das Steuergeld in ein besseres Gesundheitssystem und eine Bildungsreform zu investieren. Anstatt dafür zu sorgen, dass möglichst viele Amerikaner das College abschließen, sorgen die Republikaner dafür, dass möglichst viele die Uniform tragen werden - um die Kriege zu führen, die für die westliche, demokratische Welt wichtig sind, für die Europa aber zu feige ist.”
Ich bin zwar ein (Mainstream-)Obama-Fan, Recht hat er trotzdem: Europa ist feige. Der Afghanistan-Krieg kann gewonnen werden, und Europa sollte daran ein großes Interesse haben. Wird der Krieg verloren, wird uns das sicher beeinflussen - ob wir wollen, oder nicht.
(Beim Irak-Krieg sieht die Situation ein bisschen anders aus. Wird der verloren, werden wir auch darunter leiden, hier sind wir aber niemandem Hilfe schuldig - hoffen wir, dass wir bei dieser Ausrede auch bleiben können und die Amerikaner die verschiedenen Bevölkerungsgruppen unter Kontrolle bekommen.)
Persönliche Daten im Internet
17. April 2008
Ich bin zwar ein Web-Freak, habe Profile bei einem ganzen Haufen Websites, habe einen Blog, den ich unter meinem echten Namen schreibe, etc. Ich bin aber auch ein Freund der Privatsphäre. Mir ist klar, dass Google mittlerweile viel über mich wissen muss. Aber bekomme ich diese Informationen auch wieder raus?
Ich hab das Experiment gemacht, und versucht, möglichst viele (unnötige bzw. unerwünschte) Informationen über mich aus der Google-Suchmaschine rauszubekommen.
Ich hatte dabei vier Ziele:
- Weg mit unnötigen Informationen (Profile, die ich nur zu Testzwecken angelegt habe, die keine Informationen beinhalten, außer, dass sie existieren)
- Weg mit unerwünschten Informationen (zB politische Meinungen, die mir im Berufsleben schaden könnten.)
- Prominentere Platzierung der erwünschten Profile (XING, LinkedIn, Facebook, mein Blog, Presentify - sie sollen nicht hinter anderen Seiten versteckt werden)
- Vermischen mit anderen, gleichnamigen Personen (Ein Suchergebnis ohne Foto oder sonstigen persönlichen Details verliert damit an Wert, da es nicht mehr eindeutig zugeordnet werden kann.)
Das ist ganz einfach gegangen: Ich hab auf www.google.com nach meinem Namen gesucht und geschaut, was kommt. Flickr-Profil, alter Blog, ehemaliger Projekt-Blog, neuer Blog, verschiedenste Website-Profile - alles mögliche ist aufgetaucht.
Eines nach dem anderen hab ich die Websites besucht, mich eingeloggt und versucht, die Accounts zu löschen, meine Daten zu verstecken oder wenigstens die persönlichen Daten auf allgemeine Daten zu ändern.
Heute, ca. ein Monat später, hab ich wieder gesucht und geschaut, was sich geändert hat. Et voilà: Meine Profile wurden stark ausgedünnt!
Meine Erfahrung
Google löscht Suchergebnisse, die als Websites nicht mehr existieren (logisch) und indexiert auch alles regelmäßig neu, dadurch war ich relativ erfolgreich beim Löschen meiner Daten. Es lohnt sich aber auch, mit Windows Live Search, Yahoo! und Ask zu suchen. Nicht, weil diese Suchmaschinen mehr Ergebnisse anzeigen (ganz im Gegenteil), sondern weil sie durch andere Ranking-Algoritmen auch andere Websites anzeigen.
Zum Glück bieten die meisten Websites bieten Möglichkeiten, die persönlichen Daten entweder zu verstecken oder die Accounts gleich ganz zu löschen.
Ausnahmen & Probleme
Benutzernamen
Es gibt Ausnahmen, das sind die Benutzernamen. Ich verwende bei einigen Websites meinen vollen Namen als Benutzernamen. Das wäre kein großes Problem, könnte man bei einigen Websites die Accounts nicht löschen! Heute beginne ich mit dem zweiten Schritt - ich werde die Websites anschreiben und um das Löschen meines Accounts bzw. Ändern meines Benutzernamen bitten. Ich bin gespannt auf den Erfolg dabei.
Profil-Bilder
Viele Websites, bei denen ich zwar mein Profil nicht löschen konnte, aber wenigstens die Daten “zerstörte”, hatten keine Funktion, um das Profil-Bild zu löschen. Das lässt sich leicht umgehen: Nehmt ein leeres Bild (Ich hab eine transparente 1×1 Pixel große GIF-Grafik genommen.) und ladet es hinauf - Problem gelöst.
Account löschen
Ein Grundsatzproblem, das ich oft entdeckt habe ist, dass man Accounts ganz einfach nicht löschen kann. Ich habe selbst mehrere Community-Websites entwickelt und weiß, dass man schwer einfach alle Daten einer Person aus einer Website entfernen kann, aber ich weiß, dass es durchaus möglich ist, persönliche Daten auf Wunsch der Mitglieder unerkennbar zu machen.
Eine andere Erfahrung war, dass manche Websites das Löschen der Accounts nur auf Anfrage durchführen. Digg beispielsweise meinen Account gelöscht, nachdem ich das per E-Mail angefordert habe. Ich sehe das als Problem, das Löschen eines Accounts sollte keine Support-Interaktion brauchen, sondern einfach mit einem Klick in den Account-Einstellungen gehen. Man weiß nie, ob so ein E-Mail nicht untergeht oder ewig lange zum Bearbeiten braucht. (Digg muss man zu Gute halten, dass der Account innerhalb einer Stunde gelöscht war.)
Langzeit-Speicher
Während ich von den Suchmaschinen meine Daten runter bekommen habe, gibt es einen zweiten Typ an Websites, die sich davon nicht beeindrucken lassen, weil sie diese Suchresultate längst gespeichert haben: Profil-Aggregatoren wie Spock und Langzeit-Suchmaschinen wie das Web Archive. Letzteres ist keine wirkliche Bedrohung, weil es sehr unbekannt und unglaublich langsam ist und zusätzlich die Suchalgoritmen nicht gerade der Hammer sind. Spock et al sind aber nicht zu unterschätzen. Sie durchsuchen das Web selbst und löschen alte Ergebnisse nicht, sondern behalten sie im System. (Klar, sie suchen ja nicht nach Websites, sondern nach Informationen.)
Man kann Spock zwar beeinflussen - es gibt aber das Risiko, Daten nicht mehr aus dem System zu bekommen. Am Klügsten ist es hier, das Profil für sich zu nützen und zu beeinflussen, um unerwünschte Informationen zu entfernen.
Presentify.com
Dieses Experiment hat mir für Presentify die Augen geöffnet, das ebenfalls persönliche Informationen sammelt. Wir ermöglichen es unseren Mitgliedern, ganz einfach ihren Account zu löschen - in diesem Fall werden bis auf den Namen alle Profil-Informationen (Alter, Geschlecht, Homepages, Profil-Bild, etc.) sowie Events (inkl. alle damit zusammenhängenden Daten) und Freundschafts-Einträge vollständig gelöscht, der Name wird zusammengestutzt (aus “Sebastian Moser” wird “Sebastian M.”). Was wir nicht löschen, sind die vom Mitglied erstellten Daten. (Nachrichten, Gästebuch-Einträge, Kommentare)
Ich denke, das ist ein vernünftiger Mittelweg.
Wie kann man den Prozess des Löschens der persönlichen Daten im Internet vereinfachen? Welche Standard-Regelungen sollte es geben?
ReadBurner ist zurück!
16. April 2008
Alexander Marktl’s ReadBurner ist eine kleine österreichische Web-Erfolgsgeschichte, die sich vor allem in den USA verbreitet und eine aktive Nutzerbasis etabliert hat. Qoove-Geschäftsführer Alex hat das Projekt in seiner Freizeit gestartet und darf A-List-Newcomer Louis Gray verdanken, dass der Service nicht nur sehr schnell Bekanntheit erlangt hat, sondern auch viel zu schnell gewachsen ist. Am 5. März ist ReadBurner offline gegangen, Alex hatte keine Zeit mehr dafür, am 14. wurde der Verkauf an eine Gruppe rund um Mashable-Redakteur Adam Ostrow angekündigt, am 15. April hat die neue Version gestartet.
Was ist ReadBurner?
ReadBurner analysiert Google Reader Shared Items-Feeds, die von den ReadBurner-Besucher/innen eingetragen werden können. Heraus kommt in etwa eine elitäre Version von Digg. Das “mitstimmen” erfordert nämlich einen Account bei Google Reader und ein Abonnement des Blogs, der ein bestimmtes Thema aufgebracht hat.
Vom Layout erinnert ReadBurner an eine Mischung aus Digg und Techmeme - man sieht, wie viele “Shares” ein Blog-Post erhalten hat (siehe Digg) und sieht rechts eine Liste an populären Posts der letzten Woche (siehe Digg), zu jedem Post werden wenn möglich ähnliche Posts angezeigt (siehe Techmeme).
Problem: Kommentar-Silos
Ein kleines Feature ist es aber, das die US-Blogosphere in den letzten Tagen auf Trab gehalten hat: Integrierte Kommentare mit Disqus. (Disqus ist ein zentraler Kommentar-Service, der in Blogs integriert werden kann und so die Kommentar-Silos aufzubrechen versucht.) Die meisten Blogs ermöglichen auf ihren Blog-Seiten Kommentare, ein wesentlicher Grund, die Blog-Websites überhaupt noch zu besuchen.
Dezentrale Kommentare auf Aggregator-Services erzeugen für die Blogger zwei Probleme:
- Es wird schwieriger und aufwendiger, den Kommentaren zu einem Blog zu folgen. Digg, ReadBurner, FriendFeed, sie alle bieten Kommentar-Funktionen an, alle in ihren eigenen Silos. (So sehr Disqus nämlich versucht, diese Silos aufzubrechen, bekommen ein Blog-Eintrag bei ReadBurner und im Original-Blog nämlich zwei separate Kommentar-Seiten.) Keine der Seiten ist bisher in der Lage, diese Kommentare an eine zentrale Stelle zurück zu posten. Interessant wäre es, wenn Disqus wenigstens den Aggregatoren erlauben würde, Kommentare zurück zum Original-Post zu schicken, wenn diese Disqus verwenden. FriendFeed könnte die Disqus-API nützen, um das gleiche zu tun.
Immerhin: Disqus kündigt an, die verschiedenen Kommentar-Stränge zusammenfügen zu wollen. - Die Blogs verlieren einen Teil ihrer Besucher/innen. Vor allem kommerzielle Blogs leben aber von Werbeeinschaltungen, vor allem auf ihren Websites. Nur wenige Blogs vermarkten bisher ihre Blogs auch im RSS-Feed. Das Blog-Geschäftsmodell steht erst am Anfang, noch gab es außer Weblogs, Inc. noch keine wesentlichen Exits, niemand weiß, ob es die überhaupt geben wird. Mit der Dezentralisierung der Kommentare wird das noch schwieriger.
Ich bin gespannt, ob ReadBurner diese Diskussion weiter anstacheln wird - ich bin sicher, dass die meisten kommerziellen Blog-Netzwerke (zB Techcrunch, GigaOm, PaidContent, Read/WriteWeb, Mashable oder Silicon Alley Insider) intern heftig diskutieren, wie sie dieser Schwierigkeit begegnen können.
Zu guter Letzt:
Wikipedia für Daten
13. April 2008
Vor einigen Tagen hat der FriendFeed-Mitgründer Bret Taylor ein “Wikipedia für Daten” gefordert. Während er bei Google Zugriff auf verschiedenste Arten von Daten hatte, die Google alle kostenpflichtig lizenziert hatte, hat man das außerhalb nicht. Recht hat er! Kurz darauf hat Read/WriteWeb mit einer Liste an freien Datenquellen geantwortet.
Das Problem daran ist, dass die meisten dieser Daten Englisch sind, da haben deutsche Websites nicht viel davon. Manches wird zwar nicht übersetzt (ein Bandname bleibt immer gleich), Beschreibungen und Texte aber schon, außerdem ist oft das grundsätzliche Problem da, dass (um beim Beispiel “Musik” zu bleiben) Englische Services die deutsche Szene nicht detailliert genug abdecken.
Also: Wo bekommt man an deutschsprachige Daten her?
DBpedia hat vermutlich den vernünftigsten Ansatz: Einfach Wikipedia nehmen und die Daten strukturieren. Das basiert auf dem jeweils Englischen Artikel, dafür werden aber dann Informationen aus anderen Sprachen angezeigt - vorausgesetzt, die Artikel wurden verknüpft. (Was aber eh ziemlich oft der Fall ist.)
Beispiel: http://dbpedia.org/page/Cambridge
dict.cc ist ein Deutsch-Englisch-Wörterbuch, das auf beeindruckende 410.000 Wortpaare gewachsen ist. Die Daten hinter dict.cc sind leider nur für private Verwendung kostenlos, kommerzielle Lizenzen werden meines Wissens nicht verkauft. Wenn man nett fragt und zurück verlinkt, ist vermutlich die Integration der Daten in eine Website kein Problem. Früher waren die Daten wirklich frei, seit das von einem windigen Geschäftemacher ausgenutzt wurde und eine Anzeige zu nichts geführt hat, gibt’s leider diese Einschränkung.
Das ist eindeutig eine magere Auswahl. Eigentlich sollte Wikipedia das anbieten. Wikipedia ist das bekannteste Projekt für freie Informationen und hat eine große Community. Wäre es nicht möglich, die MediaWiki-Software um ein Datenbank-Modul zu erweitern? Ich will nicht weitere Templates - die schaun auf der Website gut aus, sind aber mit keinem Webservice vernünftig abfragbar. Ich hätte gerne eine Datenbank.
Zur Zeit ist Wikipedia nicht darauf ausgerichtet, andere Websites mit Daten zu füttern. Könnte sich das nicht ändern? Ich fände es wünschenswert…
Neuigkeiten der letzten Tage
11. April 2008
Eine Kurz-Übersicht an Neuigkeiten:
- “Mein” Projekt Presentify hat einen Blog. Das wird eine interessante Sache - die meisten unserer Mitglieder sind keine Google Reader-süchtigen Nerds. Wie wird das als Kommunikationsmittel angenommen? Unter anderem bitten wir um Feedback für Presentify 2.0.
- WordPress 2.5 ist toll. Der neue Administrations-Bereich ist viel übersichtlicher als früher. Die Jungs von WordPress haben eine tolle Arbeit geleistet. Ich bin übrigens froh, dass mein Blog bei WordPress.com gehostet ist. Da muss ich mich um nichts selbst kümmern!
- FriendFeed wird immer mehr zum fixen Bestandteil meines Web-Alltags. Es ersetzt für mich Techmeme und ist insofern besser, da ich bei FriendFeed den Teil der “A-List-Blogger” abonniert habe, der mich tatsächlich interessiert und ich zusätzlich meine Freunde dabei hab.
- Alexander Marktl’s ReadBurner (zur Zeit offline) wurde von einigen Leuten rund um Mashable gekauft und wird zur Zeit einer Generalüberholung unterzogen, bevor der Service wieder online geht. (Interview mit Austrianstartups.com)
- Mein Blog hat wieder einmal ein neues Design. Das ist eindeutig besser als das alte.