Unter dem Titel “Frohes Scheitern in Amerika” schreibt derStandard.at über Gründe, wieso sich in den USA mehr Leute selbstständig machen, und die Europäer sich nicht so recht trauen.
ÖsterreicherInnen seien jedoch vorsichtiger, wenn es um riskante Entscheidungen geht. Denn wer hierzulande mit einem Unternehmen scheitert, hat viel zu verlieren – nicht nur investiertes Kapital, sondern auch seinen Ruf, und meistens auch die Chance, es noch einmal zu versuchen. “Wer hier ein Unternehmen in den Konkurs geführt hat, hat Schwierigkeiten, für die zweite Unternehmensgründung eine Bankfinanzierung zu erhalten.” Ganz anders in den USA: “Unternehmer, die einmal oder zweimal gescheitert sind, werden dort als besonders erfahren angesehen, weil sie aus ihren Fehlern gelernt haben”, erklärt Streicher.
(Zitat derStandard.at)
Wir Österreicher sind vorsichtig bei riskanten Entscheidungen? Ich würde sogar noch weiter gehen: Wir Österreicher sind misstrauisch, wenn jemand die riskante Entscheidung trifft, sein Herzblut in eine eigene Firma zu stecken, speziell bei jungen Menschen.
Ich bin jetzt 20 Jahre alt. Vor zwei Jahren hab ich in der Schule in einer Übungsfirma gearbeitet. Es war ein Kampf, die Leitung einem Schüler übertragen zu dürfen. Die Professorin in einer Parallelklasse ließ dies gleich gar nicht zu.
Mein Gott - da bin ich 18 Jahre alt und mir wird eingeredet, ich wäre zu jung, um eine dämliche Übungsfirma zu leiten? Wie sollte ich mich denn da je trauen, eine echte Firma zu gründen?!
Skepsis
Da ich mich in der Vorbereitung für die Gründung einer Firma finde, mit meinen blutjungen (*lol*) 20 Jahren, kenne ich jetzt die Reaktionen auch auf eigener Haut.
Das Interessante war: Je besser jemand Bescheid über das wusste, was ich zur Zeit mache, desto positiver die Reaktionen. (Das macht Mut!)
Mein Vater zum Beispiel hat gemeint: “Naja, dann wirst du halt nicht studieren, oder? Ist auch nicht so schlimm.”. (Er ist Professor für Webdesign & Multimedia.)
Aber ich hab auch die bohrenden, skeptischen Fragen bekommen: “Hast du dir das gut überlegt?” - “Wirst du eh nicht über’s Ohr gehaut?” - “Wer wählt aus, welcher Anwalt den Gesellschaftervertrag aufsetzt?” - “Was passiert, wenn du scheiterst?”.
Liebe Leute
- Ich gründe die Firma, also gehört sie mir - Ich treffe die Entscheidungen.
- Die Investoren investieren Geld in die Firma - welches Interesse hätten sie daran, mich über’s Ohr zu hauen? Und selbst wenn - siehe nächster Punkt!
- Ich bin 20 Jahre alt - was soll schon groß passieren?! Im schlimmsten Fall fange ich hat 1, 2 Jahre später zum Studieren an!
Die Skepsis, die einem jungen Firmengründer teilweise entgegen gebracht wird, ist schockierend. Wen wundert es eigentlich noch, dass ein Großteil der erfolgreichen Web 2.0-Anwendungen im Silicon Valley entstanden sind? Wen wundert es, dass die Computerkonzerne Microsoft und Apple in den USA entstanden sind, und nicht wo anders?
Zur Erinnerung: Steve Jobs war bei der Gründung von Apple 21 Jahre alt. Bill Gates war bei der Gründung von Microsoft 20 Jahre at. Sergey Brin war bei der Gründung von Google 25 Jahre alt. Mark Zuckerberg war bei der Gründung von Facebook 20 Jahre alt.
Viele innovative Dinge werden also von jungen Leuten geschaffen. Wenn das in den USA möglich ist, aber einem jungen Gründer in Europa primär Skepsis entgegenschlägt, wundert es mich nicht, dass es nur wenige sehr erfolgreiche europäische Web-Projekte, und schon gar kein europäisches Google, YouTube, Apple, Microsoft oder Yahoo!.
Übrigens: Ben Casnocha war 12 Jahre alt, als er sein erstes Dot-Com-Unternehmen gegründet hat und 14, als er Comcate, Inc. gründete. Er ist jetzt 19 Jahre, die Firma gibt’s noch immer.