Facebook Applikationen - Geschäfts-Modelle
27. August 2007
Top Friends, My Questions, iLike, Graffiti, SuperPoke!, X Me, Free Gifts, Likeness, und so weiter. Es gibt einen ganzen Haufen großer Facebook-Applikationen, aber auch viele kleine - insgesamt sind es bereits über 3.000 Stück, und das, obwohl die Plattform erst wenige Monate online ist, und nur wenige Firmen die Zeit bzw. Möglichkeit hatten, schon vor Veröffentlichung der Plattform an ihren Applikationen zu arbeiten.
Mittlerweile gibt es schon Risikokapital-Fonds, die speziell für Facebook Applikationen gedacht sind.
Nur: Wo ist da das Geld in diesen Anwendungen?
Im Prinzip ist es gar nicht so schwer: Werbung, Bezahlung durch Mitglieder und Traffic zur eigenen Haupt-Seite.
Wie eben auch im Internet.
Entweder, man schafft es, mit Werbung genügend Geld zu machen, oder man schafft ein Service, bei dem die Mitglieder entweder direkt für die Verwendung der Applikation zahlen (bisher noch nicht verfügbar) oder über Umwege, während sich der Applikations-Entwickler einen Teil des Transaktionsvolumens abzwickt.
Werbung
Es ist unbeliebt, Werbung als wesentlichen Geldbeschaffungs-Faktor zu beschreiben. Es ist aber so - glaubt es einfach! Facebook macht hunderte Millionen, Google macht Milliarden. Wenn Page Views nicht so einfach zu monetarisieren sind wie bei Google - kein Problem! Wenn genügend vorhanden sind, kann man immer noch Geld damit machen.
Es hat sich sogar ein spezieller Facebook-Werbe-Markt entwickelt, der ursprünglich wahrscheinlich nicht absehbar war, und auch nicht wirklich im Sinne von Facebook ist: Bezahlung für neue Mitglieder.
Einzelne Applikationen von Slide, Inc. (Die besitzen mehr als 5 der meistverwendeten Anwendungen mnit jeweils mehreren Millionen Mitgliedern.) werfen angeblich bereits ca. 50.000 Dollar pro Monat an Werbeeinnahmen ab, auf dieser Basis.
Der Nachteil: Eine bekannte Anwendung zu schaffen, wird eine Kapital-intensive Angelegenheit!
Wie aber Mark Zuckerberg bei der Präsentation von F8 schon angedeutet hat, arbeitet auch Facebook selbst an einem AdSense-ähnlichen Programm, das vermutlich aber erst dann veröffentlicht wird, wenn Facebook in der Lage ist, seine eigenen Page Views zu monetarisieren.
Bezahlung durch Mitglieder
Applikationen, die auf die Bezahlung ihrer Mitglieder setzen, werden ziemlich sicher eine Nischen-Anwendung bleiben, wenn man aber bedenkt, dass 1% der Facebook-Mitglieder bereits 350.000 Personen sind, dann ist eine Nische trotzdem schnell interessant.
Was wichtig ist, um diesen Markt anzufachen, ist eine von Facebook zur Verfügung gestellte Bezahl-Plattform. Das würde den Benutzern Vertrauen geben, und könnte die verschiedenen Bezahl-Angebote zusammenfassen. (Wie zur Zeit die Icon-Geschenke, für die man einen Dollar bezahlt.)
Traffic zur eigenen (Haupt-)Seite
Ein dritter, nicht zu vernachlässigender Teil der Facebook Plattform-Strategie kann sein, durch die Anwendung Traffic auf die eigene Seite zurück zu bringen, wo der Traffic dann entsprechend des jeweiligen Geschäftsmodells monetarisiert werden kann.
Ich war ursprünglich Skeptisch, dass das funktionieren kann, iLike scheint das aber geschafft zu haben. Wie auch immer deren Geschäftsmodell aussieht, wenn es auf ihrer Haupt-Seite basiert, dann haben sie mit der Verdreifachung des Traffics auf ilike.com einen großen Schritt nach vorne gemacht. Bei Slide.com sieht die Situation ähnlich aus.
(Ich nehme hier die Daten von Compete, das nur die USA analysiert, dafür aber bei großen Seiten relativ gut ist - die von Facebook veröffentlichten Mitglieder- und Besucherzahlen haben sich immer sehr genau mit den Daten von Compete gedeckt!)
Meldungen der Woche
21. August 2007
Wir sind zwar noch mitten in der Woche, aber es hat ein paar interessante Meldungen gegeben, die ich unbedingt hier posten möchte:
Zu viele gleichzeitige Programm-Neustarts sind verantwortlich für den 2-tägigen Skype-Ausfall.
Wenn das stimmt, kann und muss man den Diletantismus anprangern. Das ist wirklich lächerlich, weil jeder weiß, dass ein Update nach der Reihe ausgeliefert werden muss.
Ich zweifle die Begründung aber grundsätzlich an, weil ich davon ausgehe, dass Skype eine Update-Infrastruktur hat, die das sowieso automatisch macht. Was steckt da also wirklich dahinter?
Facebook lässt Nachrichten nach außen zu, und alle überschätzen das.
Eigentlich ist es peinlich, dass ich das sagen muss, aber: Facebook öffnet sich nicht im Geringsten, sie tun nur das einzige logische: Sie verpacken die E-Mail-Einladungen in etwas nützlicheres, nämlich in eine Nachricht. Dass man sich, um sie zu lesen, immer noch einloggen muss zeigt, dass es hier nicht im Geringsten darum geht, sich zu “öffnen”.
Apple verkauft reparierte iPhones 100 Dollar billiger.
Wie viele kaputte iPhones muss es einmal geben, dass es sich lohnt, sie separat im Apple Store repariert und verbilligt anzubieten?
Gerüchten und Schätzungen zufolge dürfte es eine wesentliche, zweistellige Prozentzahl aller iPhones sein, die sich nicht aktivieren ließen, deren Displays bereits kaputt gehen, etc. Und anscheinend ist da auch etwas dran…
Google reagiert auf Feedback, refundiert Wert der Videos nach Google Video-Ende.
Google hat seinen Video-Store gestoppt. Kein Wunder - ich hatte längst vergessen, dass man dort überhaupt Videos kaufen konnte, und so ging es vermutlich auch den meisten anderen Besucher/innen der Seite.
Ein paar Videos sind aber dennoch über den Ladentisch gegangen, und für die hatte Google eine ganz einfache Lösung: Keine. Wer ein Video auf Google Video gekauft hat, hat ganz einfach Pech gehabt und ein paar Dollar als Google Checkout-Guthaben (dem Payment-Service von Google) bekommen.
Das ist eine ziemlich peinliche Sache, der Aufschrei war groß. Und Google hat darauf reagiert: Jeder bekommt sein Geld für die Videos refundiert, das Google Checkout-Guthaben darf auch behalten werden. Außerdem werden die Videos noch sechs weitere Monate online abrufbar sein.
Gute Sache, Google. Und trotzdem hoffe ich, dass intern dafür jemand eine auf den Deckel bekommen hat.
Web 2.0 vs. AJAX vs. Google
15. August 2007
Google verwendet kaum AJAX, wo es nicht notwendig ist. Im Gegensatz zu Meebo oder Yahoo! TV, das nach seinem Relaunch deutlich langsamer und komplizierter war als vorher, dafür aber haufenweise “AJAX” einsetzte oder Buxfer, bei dem alle Inhalte auf einer Seite sind, obwohl sich alles so anfühlen, als würde sich eine neue Seite laden - was natürlich nicht funktioniert!
Das ist alles lächerlich.
Google hat “AJAX” verstanden. AJAX wird hier kaum eingesetzt, nur wo’s halt wirklich Sinn macht. Die “Web 2.0-Konkurrenz” will das irgendwie nicht verstehen. Meebo setzt AJAX ein, wo eigentlich Flash sein sollte. (Google hat seinen Web-Chat-Client klugerweise in Flash umgesetzt.) Live.com setzt AJAX ein, wo wenigstens teilweise statische Links sein sollten. (Wie bei iGoogle.) Im Prinzip muss hier auch Netvibes und Pageflakes kritisiert werden: Zu viel AJAX, Leute!
Wenn Erik Schmidt also sagt, Web 2.0 ist AJAX, dann ist das ein Scherz! AJAX ist eine Sammlung an Technologien, die durch gezielten Einsatz die Entwicklung von effizienteren Web-Projekten ermöglichen soll. Aber doch bitte nicht Firmenpolitik!
miomi und andere Timeline-Projekte
15. August 2007
Nachdem ich zweimal über miomi, einem Projekt, auf dem jedes Mitglied Punkte auf der Zeitleiste kaufen kann, geschrieben, und auch Antworten von Gründern zwei ähnlicher Projekte bekommen.
Beide hier vorgestellten Projekte sagen von sich, vor miomi auf ihre Idee gekommen zu sein und haben definitiv den Vorteil des früheren Starts. Jetzt stellt sich selbstverständlich die Frage, ob sie ausreichend Marketing betreiben können, bevor miomi startet, das sicher von Anfang an die Hilfe von professionellen Marketing-Agenturen haben wird.

99Moments ist ein privates Projekt, das auf dem gleichen Prinzip wie miomi basiert.
Zur Zeit ist zwar noch eine recht eingeschränkte Version der Seite online. (Es können nur öffentliche Zeitleisten erstellt werden, keine privaten, was den Anreiz, es tatsächlich zu verwenden, stark vermindert. Ich will bitte nicht meine privaten Daten auf eine öffentliche Zeitleiste stellen!)
Eine neue Version, die alle meine Kritikpunkte am Projekt beseitigen wird, ist aber in Arbeit und sollte demnächst online gehen.
Das Projekt verfolgt laut den Gründern, Peter-Paul Kremser, Werner Leuteritz und Wolfgang Macalik, keine kommerziellen Interessen!

Memoloop hat 15. August gestartet, und ist ebenfalls ein miomi-Konkurrent, allerdings mit einem etwas anderen Modell.
Memoloop will, wie der Name schon verrät, Memos verwalten, die mit einem Zeit- und einem Ortsstempel versehen werden können/müssen. Nützlich ist das laut Gründern zum Beispiel dafür, herauszufinden, woher man bestimmte Leute kennt. Dieses konkrete Beispiel zweifle ich zwar an - dafür sind Social Networks (sowohl “konventionelle”, wie Facebook, als auch “spezialisierte” wie XING und LinkedIn) viel praktischer.
Ich spreche dem Konzept aber nicht die Nützlichkeit ab, ganz im Gegenteil. Ich fände dennoch Tools zum Kategorisieren und eine Ansicht auf einer Zeitleiste als sehr praktisch.
Das Gründer-Team, sind Florian Wagner, Ex-Manager Gruner + Jahr und Holtzbrinck und Carsten Pasternack, Berater für “Online-Marketing, Datenbanken und CMS” - was auch immer das heißt.
Ich bin schon sehr gespannt, wie sich die beiden Projekte weiter entwickeln und ich hoffe weiterhin, dass sich kostenlose und erfolgreiche Konkurrenz zu miomi entwickelt.
Yahoo! emanzipiert sich endlich!
15. August 2007
Yahoo! Local (nur in den USA) - heute vorgestellt - ist ein Zeichen für einen Richtungswechsel bei Yahoo!. Während man bisher immer Google nachgelaufen ist, versucht Yahoo! jetzt langsam, sich zu emanzipieren. Hand auf’s Herz - Yahoo! hatte sowieso nie eine Chance, in Google’s Revier einzudringen!
Also haben sie vermutlich Fokus Gruppen gebildet und befragt und erfahren, dass Yahoo! mit dem Begriff “Multimedia” verbunden wird, Google hingegen gar nicht. Und hat daraus einen Schluss gezogen: Verbinden wir unsere Angebote, und machen wir eine Suchmaschine, die zwar nicht so perfekte Resultate liefert wie Google, dafür aber Spaß macht!
Die Übernahmen von Upcoming.org, Flickr, del.icio.us und MyBlogLog passen da gut hinein. Nischen-Communities, die Yahoo! im Gesamten helfen können, ihr Angebot von Google zu unterscheiden und sich endlich zu emanzipieren.
So verbindet Yahoo! Local Daten der Projekte Upcoming.org und Flickr, und verbinden sie zu einer aufwendig gestalteten Website, die eine “City Guide” bilden sollen.
Genial.
Während Google Maps eine Suchmaschine für Regionalinhalte machen will, macht Yahoo! ein Portal daraus. Und Portale sind weiterhin nicht per se eine schlechte Sache.
Yahoo! muss sie nur modernisieren, sozialisieren und vereinen. Und weil sie dabei selbst nicht die besten sind, sollten sie Facebook übernehmen, das Unternehmen aber unangetastet sich selbst weiterentwickeln lassen und Mark Zuckerberg und sein Management Halbzeit als Berater für die Community-Entwicklungen innerhalb von Yahoo! arbeiten lassen.
Nebenbei könnten sie eine enorm riesige Community mit Milliarden an Page Views zusätzlich vermarkten. Nur eines ist wichtig: Lasst Facebook in Frieden! Aber Yahoo! hat schon bei seinen bisherigen Web 2.0-Aquisitionen bewiesen, dass sie in der Lage sind, diese Projekte unabhängig von yahoo.com entwickeln zu lassen.
Wer ist hier eigentlich integrations-unwillig?!
14. August 2007
Eine tschetschenische Frau stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Tschetschenen rundherum sagen, der Arzt verweigerte eine Stunde lang ihre Behandlung, weil sie nur simuliert.
Wehrpflichtige erzählen, die Grenzpolizei hätte sie dazu aufgefordert, Flüchtlinge, die auf der Grenze aufgegriffen werden, mit dem Gewehrkolben eines überzuziehen, bevor sie zum Erstaufnahmezentrum gebracht werden - Flüchtlinge bestätigen das bei Befragungen.
Ein Iraner, der die Polizei gerufen hat, weil er den Dieb seiner Geldbörse ausfindig gemacht hat, wird von der Polizei sofort beschuldigt, selbst der Dieb zu sein.
Wen, verdammt noch mal, wundert es noch, wenn es Integrationsprobleme mit Flüchtlingen und Imigranten gibt? Wenn nur die Hälfte der Geschichten wahr sind, die ich schon gehört habe, wundert mich überhaupt nichts mehr.
Also, nochmal für die Minderheit an Notärzten und Polizisten, die das noch nicht verstehen: Integration ist ein Prozess, der von beiden Seiten ausgeht. Bevor man kulturell am Alltagsleben teilnehmen kann, müssen die körperlichen Grundbedürfnisse und das Bedürfnis nach Sicherheit gedeckt werden. (Wikipedia: Maslowsche Bedürfnispyramide, Integration)
Local Search: Inhalte besitzen, nicht sortieren
13. August 2007
Google, Yahoo!, Microsoft, Ask - sie alle versuchen, den nächsten großen Such-Markt zu bekommen - die lokale Suche.
Während man mit der klassischen Web-Suche primär nach Informationen ohne lokale Referenz sucht, geht es bei der lokalen Suche darum, lokale Bilder, Restaurants, Nachrichten und Geschäfts zu finden. Man kann also sagen: Lokale Suche ist etwas völlig anderes. Denn während es kein Problem ist, alle möglichen Websites zu durchsuchen und die Inhalte irgendwie aufzulisten (was eine Web-Suchmaschine tut), muss man bei lokalen Suchmaschinen viele Informationen erst einmal ins Internet bringen.
Google versucht dieses Problem zu beheben, dass die meisten Firmen keine statistisch erfassbaren Adressen online haben, und Telefonbücher nicht ausgelesen werden dürfen, und startet das Google Local Business Referrals-Programm, das einfach gesagt Leute dafür bezahlt, Geschäfte zu fotografieren, die Öffnungszeiten zu notieren und mitsamt der Adresse auf Google’s Server hinauf zu laden.
Also das gleiche, das manche Projekte (zB Tupalo) uns gratis machen lassen. Interessant - leider aber vorläufig nur für die USA. Google hat davon einiges. Nicht nur erhalten sie eine Unmenge an Daten, der Großteil der Zahlung (8 Dollar) findet nur dann statt, wenn der Kontakt überprüft und bestätigt wurde. Ergo: Google hat einen Unternehmer mehr, der seine Kontaktdaten bestätigt, und dabei sicher auf die günstigen Werbemöglichkeiten mittels AdWords hingewiesen wurde.
Wer wird davon profitieren?
Die Unternehmen, denn sie werden automatisch in die Datenbank von Google eingetragen.
Die Personen, die die Arbeit machen. (Diese Arbeit benötigt nur eine Digitalkamera und einen Computer - das ist für Studenten und Arbeitslose eine tolle Sache!)
Google. Sie bekommen einen Datenbestand, glückliche Unternehmer, die vielleicht Werbung buchen und einen Haufen Studenten, die sicher begeistert ihren Freunden von Google Maps erzählen werden.
Start-Ups, die es schaffen, ihre Mitglieder dazu zu bringen, diese Informationen gratis zur Verfügung zu stellen. Sie werden interessante Übernahmekandidaten für Google, bald aber auch Yahoo! und Microsoft.
Wer wird darunter leiden?
Microsoft und Yahoo!, weil Google die Latte höher legt. Sie können sich von ihrem Leiden aber auch durch ähnliche Programme freikaufen.
Local Search-Konkurrenten & -Start-Ups, die nicht das Geld haben, sich wie Yahoo! und Microsoft aus diesem Dilemma freizukaufen.
Webmaster: Sie werden deutlich weniger von Local Search profitieren, da die Informationen ja schon im Besitz von Google sind. Wozu also zu Seiten weiterleiten
Der Markt: Die Eintrittsbarriere für diesen Markt steigt gerade um einige Millionen Dollar an. Und es wird täglich mehr.
Was Google hier macht, bestätigt mich in mehrerlei Hinsicht.
- Viele Daten im Local Search-Bereich sind noch gar nicht im Internet verfügbar. Sie müssen erst erzeugt werden.
- Man muss andere Leute dazu bringen, die Daten zusammen zu tragen.
- Google schafft es einfach nicht, eine Community aufzubauen.
Was Google hier macht, ginge auch anders und billiger. Google könnte eine Community entwickeln, und die Mitglieder wesentlich billiger für ihre Arbeit belohnen. Monatliche Preise, etc. Vielleicht wäre mehr Aufwand notwendig, um die Einträge zu verifizieren, aber es wäre schlussendlich sicher billiger.
Aber gut. Google kann das einfach nicht. Die verstehen soziale Netzwerke nicht oder haben bestimmte Gründe, wieso sie keines entwickeln. Klar, es gibt Gründe, kein Social Network zu entwickeln - es könnte scheitern. Aber es wäre das Risiko wert und hätte mehr Erfolgschancen, als Google Video jemals hatte. (Übrigens: Google Video wurde eingestellt. Wusste eigentlich jemand, dass man dort Videos kaufen konnte? Wie auch immer…)
Mehrheitswahlrecht für Österreich?!
4. August 2007
Allen Ernstes führen die beiden Großparteien, SPÖ und ÖVP, eine Diskussion über ein Mehrheitswahlrecht. Kurz für die LeserInnen, die den Begriff nicht kennen: Ein Mehrheitswahlrecht gibt der Partei, die eine Wahl gewinnt, die absolute Regierungsmacht. Zur Zeit würde also die SPÖ alleine regieren.
Die USA ist das größte Land, das auf ein Mehrheitswahlrecht setzt, aber auch in Großbritannien gibt es ein Recht auf die Mehrheit für die gewinnende Partei.
Was bedeutet das?
In einem Land mit Mehrheitswahlrecht haben es neue Parteien unglaublich schwer, bzw. haben überhaupt keine Chance. In den USA gibt es neben der Demokratischen und der Repuplikanischen Partei keine andere auf nationaler Ebene relevante Partei.
Ergo: Weniger Meinungs-Pluralismus, weniger Mitsprache, weniger Demokratie.
In der Realität sieht man die Auswirkungen daran, dass in Österreich nicht nur Groß-Parteien (SPÖ, ÖVP) sondern auch Klein-Parteien (Grüne, FPÖ, BZÖ) im Parlament sitzen. Die Kleinparteien, die die USA (als Beispiel) auf nationaler Ebene nicht kennen, bringen Kontroversität, aber auch neue Ideen, Ansatzpunkte und Probleme ins Spiel.
Gäbe es die Grünen nicht, hätten wir noch immer eine Umweltpolitik ähnlich der USA. (So, wie sie zum Zeitpunkt der Gründung der Grünen Partei in Österreich auch war: Nicht.)
Gäbe es die FPÖ nicht, würde heute noch immer nicht über Probleme in der Integration diskutiert werden. (Ich stimme nicht im Geringsten mit den Themen der FPÖ überein, aber ihre Stärke zeigt uns die Schwächen der österreichischen Politik in Integrations-Fragen.)
Das BZÖ ist auch da, aber naja - vergessen wir das. (Man kann sie inhaltlich zur FPÖ zählen.)
Mythos der stabilisierenden “Großen Koalition”
Dagegen wird gehalten, dass die große Koalition die einzige ist, die große Probleme angehen kann, und dass sie stabilisierend auf das Land wirkt. Ich weiß nicht, wieso sich dieser sehr dumme Mythos in Österreich angesiedelt hat. AUFWACHEN - die große Koalition war nur deshalb in den Nachkriegsjahren stabilisierend, weil sie politisch sehr ähnliche Ideen umgesetzt hat. (Unterschiede wurden nur im Wahlkampf hervorgehoben.) Damals war das auch wichtig, damit sich eine stabile demokratische Gesellschaft entwickeln konnte.
Jetzt wachen sie auf, und die Situation ändert sich. Außerdem müssen sie mit Kleinparteien um die Stimmen kämpfen.
Ist das schlecht? Nein! Es schärft die Profile und man weiß besser, wofür die Parteien stehen.
Es ist auch nichts Schlimmes daran zu finden, Kompromisse eingehen zu müssen. So funktioniert Politik, es nimmt Gesetzen die Radikalität. Ok, manchmal auch die Durchsetzbarkeit - aber besser eine abgeschwächte Steuerreform als eine, wie sie George W. Bush in den USA umgesetzt hat. (600 Milliarden Dollar an Steuererleichterung primär für reiche Menschen.)
Kampf um Wählerstimmen
Ja, der Kampf um Wählerstimmen ist anstrengend, es wird dabei viel geschimpft und manchmal sogar persönlich beleidigt. Aber was ist daran so schlimm? Klar, es müssen Grenzen gesetzt werden. Der Wahlkampf von Erich Haider bei den letzten Landtagswahlen war unter aller Sau. Wenn die ÖVP den Grünen vorwirft, für Zwangsvegetarisierung zu stehen, platziert sie sich ebenfalls direkt neben Personen wie Peter Westenthaler auf einem sehr niedrigem Niveau.
Aber es gibt dagegen ein einfaches Mittel: Die Wählerstimmen.
Nicht nur die Politik muss lernen, Grenzen zu setzen - die Wähler müssen ihr dabei helfen, in dem sie Parteien, die solche radikalen Äußerungen treffen nicht mehr wählen.
Und “nicht mehr wählen” heißt nicht, einfach zu Hause zu bleiben (wie das sehr viele ÖVP-Wähler bei der letzten Wahl getan haben).
80/20er-Regel
Die 80/20er-Regel ist auch hier wieder anwendbar: Niemand findet eine Partei, die zu 100% überzeugt. Man muss eine Partei finden, die zum Großteil überzeugt, die in den wesentlichen, wichtigen Positionen die eigene Meinung vertritt.
Argumente wie “Aber Herr Landtagsabgeordneter X hat in der und der Zeitung an irgendeinem Tag irgend etwas gesagt, deshalb ist die Partei nicht wählbar.” sind einfach nur lächerlich. Nichts ist perfekt, auch Wahlprogramme einer Partei sind ein Kompromiss.
Der Weg aus dem Dilemma
Die aktuelle Regierung ist eindeutig ein Problem, da gibt es keine Frage. Und die Lösung ist nicht einfach. Aber es gibt sie.
- Die Parteien müssen über ihre Führungsriege nachdenken. (Sowohl SPÖ als auch ÖVP!)
- Die Wähler/innen müssen sich überlegen, ob sie die regierenden Parteien für ihr Verhalten bei der nächsten Wahl mit einer Wählerstimme belohnen wollen.
- Die Wähler/innen müssen sich gut überlegen, ob sie wirklich bei der nächsten Wahl zu Hause bleiben wollen.
- Die Wähler/innen müssen sich die Programme der Parteien genau anschauen, um zu sehen, welche Partei ihnen am meisten zusagt. (–> www.wahlkabine.at)
Was sagt ihr dazu? Ich würd mich über Kommentare freuen, nach diesem ziemlich langen Eintrag…
Open Source-Gemeinde vs. Mozilla & Thunderbird
3. August 2007
Die Mozilla Foundation bzw. Corporation hat überlegt, wie es mit dem Mozilla Thunderbird weitergehen soll, der immer weiter hinter Firefox zurück fällt.
Die meiner Ansicht nach beste Idee wäre es, eine separate Firma für Mozilla Thunderbird zu schaffen, die wie die Mozilla Corporation weiterhin unter dem Dach der Mozilla Foundation steht. Ein eigenes Management, ein eigenes Budget, ein eigener Business Plan (ja, auch ein gratis Programm darf Geld verdienen wollen), eigenes Personal.
Erstes Problem: Die Community
Die Open Source-Community ist sehr anti-kommerzialistisch, was nicht per se schlecht ist. Nur: Man sollte Bestrebungen, der Community mit Geld zu helfen, nicht immer sofort als schlecht ablehnen.
Sehen wir die Situation in Relation: Als die Mozilla Foundation gegründet wurde, hatte sie nur einige wenige Mitarbeiter. Es war nie klar, ob man ein Geschäftsmodell finden würde und ob die Foundation in fünf Jahren noch existieren würde.
Die Situation für Mozilla Thunderbird hat sich nie verschlechtert. Ganz im Gegenteil, man hat von den Arbeiten an der Gecko Runtime bzw. am XULRunner immer profitiert - zusätzlich dazu gibt es zwei Vollzeitmitarbeiter, die die Arbeiten am Thunderbird koordinieren.
Aber gejammert wurde schon immer. Zum Beispiel, als die Mozilla Corporation gegründet wurde. Damals wurde von einem Verkauf an Google, von einer Bereicherung des Managements (Wie, wenn die Corporation zu 100% der Foundation gehört?) und so weiter. Heute…? Nichts. Firefox lebt und gedeiht, und nun macht ein gutes Management, was es eben macht: Es sieht die Probleme der Firma (ergo: Thunderbird) und versucht, sie zu beheben (ergo: Eigenständigkeit in irgendeiner Form).
Zweites Problem: Der Fokus
Mozilla Thunderbird will ein einfach zu bedienendes Mail-Programm ohne unnötige Funktionen sein, brav nach dem Pareto-Prinzip (80/20er-Regel). Und das hat vor fünf Jahren auch gepasst. Damals, als es noch kein Gmail, Yahoo! Mail Beta oder Windows Live Hotmail gab.
Heute ist das Blödsinn. Ein einfaches Mail-Programm kann ich auch im Browser haben - Thunderbird braucht einen neuen Fokus, und der muss auf High-End Features liegen:
- Kalender/To Do-Lists
- Anbindung zu MS Exchange (etc.)
- Synchronisierung mit PDAs
Und: Thunderbird braucht sichtbare Killer-Features. Wie zum Beispiel Tabs - die machen ja sogar Sinn, verdammt.
Meine Hoffnung ist es, dass Mozilla Thunderbird in einer separaten Firma aufgeht, wo ein Geschäftsmodell (zB Support für Unternehmen) gefunden werden kann, das der Firma wiederum die Möglichkeit gibt, mehr Entwickler anzustellen, damit endlich wieder was weiter geht!
Keine Bubble 2.0
2. August 2007
Kaum wird das Risikokapital mehr, glaubt jeder wieder, wir würden von einer “Bubble 2.0″ reden. Das ist absoluter Blödsinn, sag ich euch!
Klar, es werden zweifelhafte Geschäftsmodelle finanziert, aber das war schon immer so. Klar, es gibt Firmen, die Probleme haben. Und das wird auch so bleiben. Es werden noch viele Firmen in Konkurs gehen. Wir reden hier ja auch von Risikokapital, und nicht etwa von Blue Chips.
Aber noch wichtiger - nach dem Platzen der “dotcom-Blase” im Jahr 2001 wurde die ganze Internet-Industrie nieder gerissen, obwohl viele vernünftige Firmen dabei waren, die ohne weiteres den Weg in die Profitabilität schaffen hätten können oder trotz Schwierigkeiten auch geschafft haben. Das Problem war damals, dass der Werbemarkt, der auch heute noch ein wesentlicher Bestandteil der meisten Geschäftsmodelle im Internet ist, sehr stark von Start-Ups getragen war. Dank der riesigen Finanzierungsrunden konnte massiv Werbung geschalten werden - in einem Ausmaß, wie das heute längst nicht mehr der Fall ist. Wie viele Start-Ups werben mit Google AdWords für ihr Unternehmen? Wieviele Banner für digg sind auf Yahoo!-Seiten zu sehen?
Richtig: keine!
Heute machen neben großen Unternehmen auch viele kleine Unternehmen Werbung im Internet. Der Werbemarkt ist jetzt zwar trotzdem noch zyklisch, aber auf wesentlich mehr Branchen aufgeteilt.
Wenn die Bubble 2.0 tatsächlich eines Tages kommt, wird sie weit weniger dramatische Auswirkungen haben. Einige Firmen werden in Konkurs gehen, einige werden Übernahme-Ziele werden, einige werden an die Börse gehen, und wieder andere werden unabhängig bleiben.