Wie schon angekündigt, folgt hier ein zweiter Post zum Papst-Besuch, nachdem ich im ersten Post über die Trennung zwischen Staat und Religion gesprochen habe.
Kinderfreundliche oder -feindliche Gesellschaft?
Der Papst hat gefordert, dass alles getan werden müsse, um die europäische Gesellschaft wieder kinderfreundlicher zu machen.
Wieder kinderfreundlicher?
Was konkret ist an der europäischen Gesellschaft kinderfeindlich? Ja, die europäische Gesellschaft “produziert” zu wenig Nachwuchs. Wir schaffen nicht einmal die Reproduktion, das Ideal von “einem Kind” wird nicht mit seinen ganzen Problemen gesehen.
Die Kirche ist an diesen Problemen nicht primär schuld. Sie ist aber mit schuld daran, dass diese Probleme nicht in den Griff bekommen werden. Konservatives und kurzsichtiges (Wobei sich die Begriffe nicht stark von einander unterscheiden.) Denken führt dazu, dass die wahren Probleme nicht erkannt werden.
Was überlegen sich immer mehr Frauen, wenn sie Kinder haben wollen?
- Wie soll das gehen, ich will/muss berufstätig sein!
- In Karenz zu gehen, macht mir den Wiedereinstieg ins Berufsleben schwer und zerstört viele Aufstiegsmöglichkeiten!
- Ich finde keinen Kinderbetreuungsplatz bzw. weiß, dass es schwer ist, einen Platz zu finden!
Niemand kann und darf Frauen einreden, sie sollten doch auf den Beruf verzichten und sich um die Familie zu kümmern. Genau das fordert aber der Papst und die katholische Kirche mit einer Rückkehr zu “traditionellen Familienwerten”.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Kinder ist der Schlüssel zu mehr Nachwuchs. Frankreich hat das verstanden, und es brauchte dazu keine Frau an der Macht. Flächendeckende Kinderbetreuungsmöglichkeiten (Kindergärten und Kindergrippen), Zuverdienstgrenzen, die sich am bisherigen Einkommen orientieren, die Möglichkeit, bereits kurz nach der Geburt wenigstens Halbtags wieder in der alten Firma zu arbeiten, während der Staat trotzdem Kindergeld ausbezahlt.
Aber auch: Eine Möglichkeit für die Väter, ebenfalls auf Halbzeit zu reduzieren, bei teilweisem Lohnausgleich durch den Staat. Auch die Väter müssen eine realistische Chance haben, trotz Kinderbetreuung im Berufsleben aktiv bleiben zu können.
Eine Rückkehr zu “traditionellen Werten”, also eine Rückkehr zur Frau an den Herd, wird nicht funktionieren. Wieso sollten Frauen das wollen? Und wieso fordern das fast nur die Männer?