Yasni - schlechter Spock-"Klon"
31. Oktober 2007
yasni, eine deutsche “Menschen-Suchmaschine”, hat vor einigen Tagen mit ein bisschen Trara gestartet. Blognation spricht davon, dass das Unternehmen in Konkurrenz zu Spock, PeekYou, etc. stehe, was sich nur um einen Witz handeln kann.
Yasni tut nichts anderes, als Wikipedia, Amazon (!?) sowie diverse Social Networks und Suchmaschinen nach einem Namen zu durchsuchen. Das ganze wird einfach nacheinander aufgelistet. Und zwar in einer unglaublich unübersichtlichen Art und Weise.
Eine Suche nach Angela Merkel, deutsche Bundeskanzlerin, bringt mir ein paar kleine Bilder, eine kurze Zusammenfassung des Wikipedia-Artikels, drei Angela Merkel-Fake-MySpace-Profile, die Amazon Bücher-Wunschliste (!?) von einer Angela Merkel aus Bayern, Links zu “StayFriends” und zu einigen Suchmaschinen. Unter anderem ist eine Seite mit dem Namen “Angela Merkel - Merkelwitze” dabei.
So, und jetzt zu dem, was nicht hier ist:
- Eine Übersicht über verschiedene Frauen mit dem Namen Andrea Merkel. Vermutlich ist die Frau Merkel aus Bayern nicht die Angela Merkel, oder?
- Ihr Alter, ihr voller Name und vielleicht ihre Tätigkeit.
Spock, die angebliche Konkurrenz von Yasni, zeigt mir dagegen folgendes:
- Eine Liste von 10 Angela Merkels - 23 werden insgesamt gefunden. Von den ersten 10 sind drei aus Deutschland.
- Für die Bundeskanzlerin Merkel wird ein Foto angezeigt.
- In ihrem Namen ist erkennbar, dass sie den Doktor-Titel trägt.
- Neben ihrem Namen steht ihr Geschlecht und ihr Alter.
- An den Tags ist zu erkennen, dass sie Lutheranisch ist, dem deutschen Parlament angehört, Bundeskanzlerin ist, und von Forbes zu einer der mächtigsten Frauen ernannt wurde.
Und all das war nur die SERP (Search Engine Result Page). Die Detail-Seite zeigt mir einige Tags über sie, sowie 4 von 17 mit ihr zusammenhängende Personen (Kabinetts-Mitglieder und einige Kanzler-Vorgänger). Dazu noch 6 Fotos, die allesamt seriös sind.
Zusammenfassung
Klar, Spock hat eine größere Benutzer-Basis und schon einige Monate Vorsprung. Spock gibt sich aber Mühe, die gefundenen Daten zu gruppieren und in Profilen zusammenfassen. Bei Yasni muss man das selbst tun. Yasni lebt also davon, dass die Mitglieder die Informationen, die sie als richtig erachten, selbst gruppieren. Das wird unweigerlich dazu führen, dass es weniger Profile geben wird.
Spock im Gegensatz dazu sucht alles an Informationen, was es finden kann, gruppiert es bereits in Profilen, und lässt die Benutzer diese Informationen korrigieren und erweitern.
Yasni macht es sich zu leicht. Vielleicht kommt manches davon noch, man sieht aber an der Umsetzung der Seite - am Layout, am Design - UND am Konzept, dass das nicht wahrscheinlich ist. Und damit reiht sich Yasni in eine Reihe an peinlichen deutschen Web 2.0-Fehlschlag. Leider.
Zur Veranschaulichung:
Angela Merkel @ Spock
Angela Merkel @ Yasni
Microsoft investiert 240 Millionen in Facebook
25. Oktober 2007
Die Gerüchteküche hat schon länger gebrodelt, jetzt ist es offiziell: Microsoft hat Google im Bieterwettstreit geschlagen und investiert 240 Millionen Dollar in Facebook - bei einer 15-Milliarden-Dollar-Valuierung. Microsoft besitzt also 1,6% an Facebook.
Nicht nur hat Facebook jetzt einen Haufen Geld, um seine Expansion nach Europa voranzutreiben. (Die vermutlich von einigen Übernahmen begleitet werden wird!) Microsoft darf auch international die Display-Ads für Facebook vermarkten.
Für 240 Millionen Dollar bekommt Microsoft also nicht nur einen kleinen Anteil an Facebook, der durchaus noch wertvoller werden könnte, sondern vor allem Zugriff auf das zweitgrößte Social Network der Welt. Oder mit anderen Worten: Microsoft ist endlich zur Konkurrenz für Google geworden.
Wer profitiert davon?
- Facebook, da es mit dem neuen Geld seine Expansion nach Europa vorantreiben kann. (Die vermutlich von einigen Übernahmen begleitet werden wird!)
- Microsoft, da es das zweitgrößte Social Network der Welt vermarkten darf, was den Abstand zwischen Microsoft adCenter und Google AdWords verkleinern wird.
- Alle anderen Social Networks, da diese Valuierung weiteres Risikokapital in die Branche pumpen wird, vor allem in Europa. Außerdem werden Yahoo!, Google und vielleicht auch AOL Übernahmen tätigen. (Mein Tipp: Yahoo! kauft Bebo; Google kauft einige kleinere Anbieter und bastelt etwas neues, basierend auf orkut.)
Jetzt muss nur aufgepasst werden, dass sich die Risikokapitalgeber nicht verzetteln. In Social Networking ist noch viel Geld zu machen, aber Facebook wird andererseits nicht das nächste Google werden.
Auch wird nicht jede Nische einen Erfolg haben. Sinnvoller ist es, auf Sub-Applikationen zu setzen, die sich in Facebook, MySpace, Friendster, Hi5 und allen anderen Plattformen, die kürzlich angekündigt wurden, einnisten. Eine Nur-Facebook-Strategie ist gefährlich, aber ein breit gestreuter Mix hat durchaus Erfolgschancen.
Twitter’s Rolle in dem Spektakel
Und wirklich interessant ist auch die Rolle von Twitter in der Angelegenheit. Ich bin normalerweise nicht aktiv auf Twitter, hab mir aber schon gedacht, dass ich dort als erster erfahren würde, wer endgültig das Rennen gemacht hat.
Und Twitter’s “tracking”-Funktion hat mir erlaubt, einfach alles, wo “Facebook” drin vorkommt, zugeschickt zu kommen. Zack bum. Ich wusste das endgültige Ergebnis deutlich bevor es auf TechCrunch oder gar Techmeme stand.
Macht das einen Unterschied? Vielleicht nicht! Aber es zeigt, wie schnell sich über Twitter Nachrichten verbreiten.
Polen hat gewonnen
23. Oktober 2007
Mein Bruder hat auf den Punkt gebracht, was ich mir gestern auch schon gedacht hab:
Ich hab mich noch nie so über den Wahlsieg einer rechtsliberalen Partei gefreut!
Polen hat den ersten Kaczynski-Bruder abgewählt. Nicht nur gewonnen hat Donald Tusk, er hat sogar mit 10% Vorsprung gewonnen, was niemand erwartet hätte.
Kaczynski hat sich in Verschwörungstheorien und Selbstmitleid gebadet. Die Medien seien Schuld am Sieg der liberalen Bürgerplattform (PO). Vermutlich hat er vergessen, dass er in seinen Allmachtsfantasien die staatlichen Medien unter die Leitung von ihm treu ergebenen Personen gestellt hat.
Polen wird das nicht nur intern gut tun, auch innerhalb der EU wird Polen einen deutlich besseren Stand haben. Zwar hat Kaczynski mit seinen Blockade-Drohungen immer im letzten Moment ein paar Goodies herausgeholt, hatte es dafür aber allgemein sehr schwer, verbündete zu finden.
Tusks Einstellung ist da folgende: Er sei nicht nur pro-deutsch (was ihm von den Kaczynskis vorgeworfen wurde), sondern auch pro-tschechisch, pro-slowakisch und sogar pro-russisch, denn seine Politik sei auf Kooperation, nicht Konfrontation ausgerichtet.
Leicht wird er’s dennoch nicht haben, Lech Kaczynski ist noch immer Staatspräsident, und auch JAroslaw Kaczynski wird weiter fuhrwerken. Ein Fortschritt ist es allemal.
Das zweite politische Top-Thema ist der PKK-Konflikt an der türkisch-irakischen Grenze. Die Türken wollen die PKK im Irak besiegen, wo sie sich ungestraft von grauenhaften Angriffen auf türkische Soldaten zurück ziehen kann. Die Amerikaner haben im restlichen Irak viel zu viel zu tun, als dass sie sich auch noch darum kümmern könnten, und die kurdische Regierung des Nordirak hält aus welchen Gründen auch immer zur PKK.
Was soll man tun? Die Türkei sollte nicht in den Irak einmarschieren - damit tun sie sich selbst keinen Gefallen und destabilisieren das Land noch viel mehr. Andererseits - wer stoppt die PKK?
Der Türkei ist hier kein Vorwurf zu machen - aber hoffentlich lässt sich dennoch eine Lösung finden. Vielleicht können ja doch die Amerikaner für Frieden stiften. Unter den nordirakischen Kurden genießen sie ja doch ein gewisses Ansehen.
Die Händi-Innovation des Jahrzehnts
8. Oktober 2007
Nein, hier ist icht vom iPhone die Rede, sondern davon, was als “Google Phone” in der Gerüchteküche kursiert.
Das iPhone ist ein High-Tech-Multimedia-Gerät, das aber abgesehen vom Multi-Touch-Display und einer besseren Navigation nicht revolutionär ist. So kann man keine Software installieren, und es ist für den Massenmarkt viel zu teuer.
Die Händi-Innovation des Jahrzehnts wird auf dem Typ Telefon stattfinden, den der Großteil der Händi-Nutzer verwenden: Billige, zur Zeit völlig unbrauchbare Händis, mit denen man außer Telefonieren und SMS schreiben sicher nichts tun kann. Und selbst das ist noch eine Katastrophe.
Stimmt die Gerüchteküche, arbeitet Google an einem Betriebssystem für Händis und/oder Smartphones, das nicht mit dem iPhone konkurrieren soll, da es für deutlich günstigere Geräte verfügbar sein wird. (Insofern wird es auch weniger für Smartphones als für “normale” Händis gedacht sein.) Stimmt die Gerüchteküche, wird Google das Telefon nicht selbst entwickeln, abgesehen von Referenzgeräten. (Ja, ich hab’s euch gesagt!)
Das System soll Linux-basiert sein (Das macht Sinn, wieso auch einen eigenen Kernel entwickeln und warten?) , wie gesagt an Dritt-Hersteller lizenziert werden (Auch das macht Sinn, die Dritthersteller bekommen das System vermutlich gratis oder erhalten sogar Geld für die Installation und müssen kaum aktiv entwickeln.), wird verschiedene Google-Programme vorinstalliert haben (Logisch, Google will ja seine Programme verbreiten.) und Dritt-Programme zulassen (Eigentlich logisch, außer Apple macht das jede Smartphone-Plattform.).
Sinn machen würde eine Push-E-Mail-Anwendung für Gmail und eine kreative Integration von Google Maps und Calendar, außerdem GPS-Systeme, etc.
Wenn das halbwegs stimmt, ist das die Händi-Innovation und -Revolution des Jahrzehnts. Und im Gegensatz zum iPhone würd ich mir das auch definitiv kaufen, sobald in Europa verfügbar.
Was ist eigentlich ein Blog?
2. Oktober 2007
Bei Blogs denke ich an WordPress, Blogger, Twoday, Six Apart. Aber die Landschaft ändert sich, besonders gut sieht man das an der Diskussion über Techmeme’s neues “Leaderboard”-Feature. (Wir hatten die gleiche Diskussion witzigerweise auch beim BarCamp Vienna letztes Wochenende.)
Techmeme, zur Erinnerung, ist ein Blog-Aggregator von ca. 10.000 Technik-bezogenen Blogs. Und das Leaderboard ist eine Top-100-Liste, sortiert nach Anwesenheit auf der Startseite.
Was ist jetzt eigentlich ein Blog? Auf dem Techmeme Leaderboard befinden sich in den Top 10 die New York Times, BBC, The Register und das Wall Street Journal. Alles “traditionelle” Medien.
Ist die New York Times-Seite jetzt ein Blog? Man kann die Nachrichten nicht kommentieren, es gibt keine Tags und auch die Präsentation erinnert nicht an einen klassischen Blog. Aber es gibt einen RSS-Feed. Die NY Times sind für mich kein Blog, sondern einfach eine Nachrichten-Seite mit RSS-Feeds als alternative Distributionsmöglichkeit. Das gleiche gilt für die weiteren Nachrichtenportale.
Aber … was macht einen Blog eigentlich aus?
- der RSS-Feed?
- die Kommentarfunktion?
- das Layout?
- die dahinterstehende Software?
- die Kommerzialität?
Ein RSS-Feed ist für mich fixer Bestandteil eines Blogs, aber er ist nicht sein Wesen. Ein RSS-Feed ist eine Basis-Technologie des Internets und wird für immer mehr und andere Zwecke eingesetzt werden. Garantiert.
Die Kommentarfunktion wäre eine mögliche Sichtweise. Nur … Jason Calacanis hat die Kommentare deaktiviert. Ist er deshalb kein Blogger? Nein, er erstickt nur unter seiner Popularität und der Polarisierung seiner Beiträge.
Das Layout wäre eine falsche Idee als Kennzeichen. Was, wenn eines Tages ein besserer Layout-Ansatz für Weblogs gefunden wird? Oder anders: Schon jetzt gibt es verschiedenste Ansätze für Blog-Designs. Wer entscheidet, was “Blog-würdig” ist, und was nicht?
Die dahinterstehende Software? Wie oben stellt sich wieder die Frage, wer das festlegt. Was, wenn Typo3 eingesetzt wird, mit einem Blog-Modul? Ist das noch Blog-tauglich? Wer entscheidet das? Was, wenn jemand eine eigene Blog-Software entwickelt, die nur für die eigene Seite eingesetzt wird?
Die Kommerzialität? Abgesehen davon, dass das wieder schwierig zu sagen ist - viele Blogger leben von ihrem Blog zumindest teilweise, manche leben von dem Image, das sie durch ihren Blog bekommen - kann und darf das ein Kennzeichen sein? Was ist mit TechCrunch? Für mich ist das ein Blog, eindeutig!
Man sieht - es ist sehr schwierig, festzulegen, was eigentlich ein Blog ist. Vermutlich hat der Kommentator vom BarCamp, dessen Namen ich nicht kenne, Recht, der gesagt hat, es sei schlussendlich völlig egal, ob etwas ein Blog, eine Nachrichten-Seite, eine Web-Anwendung oder sonst etwas ist. Die Frage ist nicht Blog oder etwas anderes. Die Frage ist: Sind die Inhalte gut, und vertraue ich dem/den AutorInnen
BarCamp Vienna September 2007
1. Oktober 2007
BarCamp Vienna ist vorüber und war wieder höchst interessant. Diesmal deutlich größer als letztes Mal (zwei-tägig, ca. doppelt so viele Leute) und auch deutlich aufwendiger.
Wie schon letztes Mal war es höchst interessant, mit verschiedensten Leuten zu reden und diskutieren und ich habe einige neue Ideen und Anregungen erhalten, die sehr nützlich sein werden.
Das Thema “Social Network Portability”, das ich persönlich sehr spannend finde, war leider zu wenig Diskussion und zu viel Präsentation. Wozu einen Überblick über OpenID und andere Ansätze, die schon seit Jahren nicht funktionieren und auch weiterhin nicht funktionieren werden?
Das zeigt mir, dass ich vielleicht nächstes Mal wieder selbst eine Präsentation (bzw. Diskussion) machen sollte. Diesmal hab ich das BarCamp als passiver Teilnehmer genossen, was natürlich auch seine Vorteile hatte.