Bei Blogs denke ich an Wordpress, Blogger, Twoday, Six Apart. Aber die Landschaft ändert sich, besonders gut sieht man das an der Diskussion über Techmeme’s neues “Leaderboard”-Feature. (Wir hatten die gleiche Diskussion witzigerweise auch beim BarCamp Vienna letztes Wochenende.)
Techmeme, zur Erinnerung, ist ein Blog-Aggregator von ca. 10.000 Technik-bezogenen Blogs. Und das Leaderboard ist eine Top-100-Liste, sortiert nach Anwesenheit auf der Startseite.
Was ist jetzt eigentlich ein Blog? Auf dem Techmeme Leaderboard befinden sich in den Top 10 die New York Times, BBC, The Register und das Wall Street Journal. Alles “traditionelle” Medien.
Ist die New York Times-Seite jetzt ein Blog? Man kann die Nachrichten nicht kommentieren, es gibt keine Tags und auch die Präsentation erinnert nicht an einen klassischen Blog. Aber es gibt einen RSS-Feed. Die NY Times sind für mich kein Blog, sondern einfach eine Nachrichten-Seite mit RSS-Feeds als alternative Distributionsmöglichkeit. Das gleiche gilt für die weiteren Nachrichtenportale.
Aber … was macht einen Blog eigentlich aus?
- der RSS-Feed?
- die Kommentarfunktion?
- das Layout?
- die dahinterstehende Software?
- die Kommerzialität?
Ein RSS-Feed ist für mich fixer Bestandteil eines Blogs, aber er ist nicht sein Wesen. Ein RSS-Feed ist eine Basis-Technologie des Internets und wird für immer mehr und andere Zwecke eingesetzt werden. Garantiert.
Die Kommentarfunktion wäre eine mögliche Sichtweise. Nur … Jason Calacanis hat die Kommentare deaktiviert. Ist er deshalb kein Blogger? Nein, er erstickt nur unter seiner Popularität und der Polarisierung seiner Beiträge.
Das Layout wäre eine falsche Idee als Kennzeichen. Was, wenn eines Tages ein besserer Layout-Ansatz für Weblogs gefunden wird? Oder anders: Schon jetzt gibt es verschiedenste Ansätze für Blog-Designs. Wer entscheidet, was “Blog-würdig” ist, und was nicht?
Die dahinterstehende Software? Wie oben stellt sich wieder die Frage, wer das festlegt. Was, wenn Typo3 eingesetzt wird, mit einem Blog-Modul? Ist das noch Blog-tauglich? Wer entscheidet das? Was, wenn jemand eine eigene Blog-Software entwickelt, die nur für die eigene Seite eingesetzt wird?
Die Kommerzialität? Abgesehen davon, dass das wieder schwierig zu sagen ist - viele Blogger leben von ihrem Blog zumindest teilweise, manche leben von dem Image, das sie durch ihren Blog bekommen - kann und darf das ein Kennzeichen sein? Was ist mit TechCrunch? Für mich ist das ein Blog, eindeutig!
Man sieht - es ist sehr schwierig, festzulegen, was eigentlich ein Blog ist. Vermutlich hat der Kommentator vom BarCamp, dessen Namen ich nicht kenne, Recht, der gesagt hat, es sei schlussendlich völlig egal, ob etwas ein Blog, eine Nachrichten-Seite, eine Web-Anwendung oder sonst etwas ist. Die Frage ist nicht Blog oder etwas anderes. Die Frage ist: Sind die Inhalte gut, und vertraue ich dem/den AutorInnen