Die Koalition SPÖ/ÖVP hat sich geeinigt und eine “neue Mittelschule” vorgestellt. Auch Frau Gehrer hat irgendwann eine “neue Schule” angekündigt - mal schauen, ob Frau Schmidt und Herr Hahn diesmal etwas gescheites zusammen gebracht haben.
Im Prinzip ist das Modell ein Kompromiss aus der Pro-Gesamtschule-Haltung der SPÖ und der Anti-Gesamtschule-Haltung der ÖVP. Es wird Schulversuche geben, wenn zwei Drittel der Eltern und Lehrer/innen zustimmen. Diesen Schulversuchen werden dann auch durchgezogen - etwas, wo sich die SPÖ “durchsetzen” konnte.
Hier ein paar Meinungen, und mein Kommentar dazu
Grüner Bildungssprecher Dieter Brosz: “Das ‘Herzstück’ von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, die große Bildungsreform, wurde heute endgültig abgesagt. Was heute die Minister Schmied und Hahn verkündet haben, verdient den Namen Bildungsreform nicht.”.
Tja, er hat Recht. Eine große Bildungsreform ist das eindeutig nicht, sondern ein Test, der vielleicht irgendwann evaluiert wird, und dann vielleicht tatsächlich in etwas dauerhaftes umgesetzt wird. Vielleicht. Das ist der Schlüssel. Es ist ein kleiner Schritt in Richtung Gesamtschule, aber nicht mehr.
ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon: “Die sozialistische Zwangsverordnung von oben bei der Schulreform-Einigung ist vom Tisch. Die ÖVP sichert Mitbestimmung die Freiheit zu Wählen für die Eltern.”
Völliger Blödsinn. Der Sinn von Gesetzen ist es, etwas vorzuschreiben. Darf ich mir in Zukunft dank der ÖVP auch die Höhe meiner Steuern aussuchen? Darf ich mir aussuchen, ob ich die 130-km/h-Limits auf der Autobahn einhalte oder nicht? Nein. Eben. Herr Missethon ist ein trauriges Beispiel der ultra-konservativen Anti-SPÖ-Gruppe innerhalb der ÖVP, die jetzt schon viel zu lange an der Macht ist.
Was zeigt das jetzt allgemein?
Johannes Hahn wurde Wissenschaftsminister, um die Gesamtschule zu verhindern. Einen wirklichen Sinn hatte die Aufteilung des Bildungs-Ressorts ja nie.
Die ÖVP ist zufrieden, hat ihre Ziele aber nicht wirklich erreicht. Die ÖVP will unter keinen Umständen eine Gesamtschule, hat aber die Tür dafür öffnen müssen, da die ÖVP in der öffentlichen Meinung immer mehr als Blockierer-Partei da stand. (Demokratie funktioniert ja doch. ;))
Die öffentliche Meinung steht zunehmend auf der Seite der Gesamtschule. Offensichtlich setzt sich langsam die Meinung durch, dass es nicht klug ist, 10-jährige bzw. deren Eltern Entscheidungen treffen zu lassen, die ihr ganzes Leben negativ beeinflussen können (Hauptschule!), aber zu dem Zeitpunkt mit den völlig falschen Gründen getroffen werden (Wo gehen nach der Volkschule meine Freund/innen hin?).
Die ÖVP hat große Probleme mit ihrer Konservativität. Der Wirtschaftsflügel gerät mehr und mehr in den Konflikt mit der “alten Garde”. Der Wirtschaftsflügel sagt nämlich, dass die Gesamtschule Sinn macht und eine neue Einwanderungspolitik wichtig ist! (Es macht wirtschaftlich Sinn, potentionelle Arbeitskräfte länger gemeinsam zu unterrichten und sie erst später Berufsentscheidungen treffen zu lassen. Viele Hauptschulabgänger, die als Akademiker vielleicht besser dran wären und Gymnasiasten, die in einer Lehre besser aufgehoben wären, würden eher die richtige Entscheidung treffen. Motivierte und glückliche Arbeitskräfte sind besser für die Wirtschaft als Leute, die vielleicht ihr Leben lang bereuen, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben.)