Voraussagen für 2008
26. Dezember 2007
Ein beliebter Trend, seit im Internet endlich wieder was weiter geht, sind Vorhersagen, was im nächsten Jahr passieren könnte. Interessant ist dann immer, was tatsächlich passiert ist. (Im Deutschen zum Beispiel von Georg Holzer.)
#1: Yahoo! kauft Twitter
Ganz einfach: Yahoo! wird Twitter für ca. 80 Millionen Dollar kaufen.
#2: Casual Gaming
Kongregate und MochiAds sind die ersten Websites im Bereich Casual Gaming. Es werden noch einige Websites dieser Art entstehen, sowohl als Gaming-Plattformen (wie Kongregate) als auch als Vermarkter für Unabhängige (wie MochiAds). Eine davon wird in den USA einen Marktanteil von mindestens 60% an sich reißen.
Das besondere an diesen Start-Ups ist, dass sie mit sehr wenig Kapital auskommen, maximal mit 3 Millionen Dollar Risikokapital.
#3 Copycats
Weiterhin werden in Deutschland Copycats entstehen, sie werden die europäischen Märkte vor den amerikanischen Versionen besetzen. Wie Verwandt.de werden sich manche aber durch gutes Management besser entwickeln, als die amerikanischen Originale.
#4 StudiVZ wird verkauft
StudiVZ wird Mitte des Jahres für mindestens 300 Millionen Euro verkauft werden, nachdem es finanziell stabil ist aber technisch stagniert.
Ende des Jahres wird das Wachstum von StudiVZ auf Kosten von Facebook.de stoppen.
#5 Viele Konkurse
Nächstes Jahr werden viele Start-Ups in Konkurs gehen. In der Technologie-Szene wird eine Bubble ausgerufen werden, die Mainstream-Medien werden aber kaum darüber berichten, weil nicht viel Geld dabei verloren geht.
#6 VCs kommen unter Druck
Die meisten Start-Ups benötigen anfangs kaum Kapital, was die klassischen Risikokapitalgeber gehörig unter Druck bringt. Geld wird nur noch von etablierten Start-Ups für die Finanzierung von schnellerem Wachstum oder in Form von Angel Investments unter einer Million Dollar benötigt.
#7 Yahoo! und Microsoft kaufen Start-Ups
Yahoo! wird weiterhin kleine Start-Ups im Kostenrahmen von ca. 5 bis 50 Millionen Dollar kaufen, sie aber in Zukunft im Rahmen des Yahoo! Brickhouse-Projekts eigenständig weiterarbeiten lassen und erst später integrieren. (Wie bei Flickr im Gegensatz zu MyBlogLog, das gehörig verhunzt wurde.)
Microsoft wird sich dem Trend anschließen, aber nicht besonders erfolgreich damit sein. (Die Fehler machen, die Yahoo! mit MyBlogLog machte.)
Google tut das weiterhin nicht bzw. in der gleichen Form wie bisher. (Technologie-Start-Ups, keine Community-Start-Ups.)
Ich bin echt gespannt, wie viel davon tatsächlich wahr wird!
Da geht es dahin…
19. Dezember 2007
Blognation ist Geschichte, Sam Sethi konnte offenbar keine Finanzierungsrunde abschließen - die Schuld sucht er bei Mike Arrington, der von Anfang an versucht hätte, ihn zu sabotieren. Wie auch immer…
Wichtiger ist mir die Idee hinter Blognation. Ein Blog-Netzwerk, das von Bloggern aus der ganzen Welt getragen wird und die Web-Welt außerhalb der USA abdecken soll, ist eine wichtige Sache.
Leider war das Geschäftsmodell und die Umsetzung schlecht. Die restliche Welt hat leider einfach zu wenig Aktivität, um für jedes Land 10 Blog-Posts oder mehr täglich zu produzieren. Trotzdem wurde viel geschrieben, wobei viele Start-Ups präsentiert wurden, die nichts besonderes machen.
Ich habe dazu natürlich eine Idee, die ich der Welt nicht vorenthalten will, und die ich auch an die deutschen Blognation-BloggerInnen schicken werde, für ein Modell, das weniger “noise” erzeugt, keine Vollzeitarbeit ist und dadurch für alle beteiligten BloggerInnen, vor allem die, die ohnehin bloggen, eine Möglichkeit sein könnte.
Detaillierte Landes-Blogs, gefilterter Gesamt-Blog
Das Problem an Blognation war, dass schon in den Landes-Blogs zu viele Inhalte gepostet wurde. Hätte ich den Blognation-Gesamt-RSS-Feed abonniert, wäre ich unter den Artikeln erstickt. Schlussendlich hab ich nur Großbritannien und Deutschland abonniert, was aber die Idee von Blognation wieder zunichte gemacht hat - ich hätte ja vor allem über die anderen Märkte lesen sollen!
Die Idee ist also folgende: Es gibt weiterhin Landes-Blogs, die mehr Blog-Posts haben - je nachdem, wie viel Zeit die Blogger dafür aufwenden wollen.
In den Gesamt-RSS-Feed kommen aber nur einzelne Artikel. Die jeweiligen Landes-Blogger sollten entscheiden können, welche Artikel, welche Firmen, welche Ankündigungen aus ihrem Land für das internationale Puplikum wichtig sind. Das sind vielleicht nur 20% der Posts. Der Rest ist für das Puplikum, das wirklich alle Informationen eines Landes haben will, vermutlich oft Personen aus den jeweiligen Ländern.
Einnahmen-Aufteilung
16 BloggerInnen für das Schreiben eines Blogs ein gutes Gehalt zu zahlen, obwohl kein Traffic vorhanden ist, war immer der Schwachpunkt von Blognation. Man kann nicht extrem hohe Fixkosten haben, ohne irgendetwas vorweisen zu können. Ich glaube, dass vor allem daran die Finanzierungsrunden gescheitert sind.
“Blognation v2″ sollte auszahlen, was es an Einnahmen generiert. Nicht mehr, nicht weniger.
Die Strukturierung in Landes- und Gesamt-Blog gab es schon bei Blognation, die Einnahmen-Aufteilung würde ich darauf aufbauen.
Die BloggerInnen eines jeden Landes erhalten die vollen Einnahmen (abzüglich Betriebskosten) ihres Landes-Blogs. Gibt es mehrere Blogs für ein Land, kann man sich ein Modell überlegen, die Einnahmen aufzuteilen. (zu bestimmten fixen Anteilen, je nach Anzahl der Wörter/Artikel, etc.)
Die Einnahmen aus dem Gesamt-Blog werden unter allen Bloggern aufgeteilt, nach einem Schlüssel, den man sich überlegen muss. (Möglich wäre nach Posts, die in den Gesamt-Blog kommen, was aber ausgenutzt werden kann. Möglich wäre auch wieder eine Aufteilung nach festgelegten Anteilen. Man kann auch den Währungs-Wert mit einberechnen - für deutsche BloggerInnen hat ein Euro einen anderen Wert als für rumänische BloggerInnen.)
Wichtig ist auch, dass das Projekt den BloggerInnen selbst gehört. Die Firma muss allen BloggerInnen gemeinsam gehören, sie müssen bestimmen, wer dem Projekt als Chef vorsteht, etc.
Wie ich gesehen habe, schreiben einige der BloggerInnen ohnehin weiter. Unter gemeinsamen Label hätten sie es leichter, LeserInnen und Werbeeinnahmen anzulocken, und stimmt erstmal der Traffic, ist es auch kein Problem, tatsächlich eine Finanzierungsrunde abzuschließen.
Fair wäre es, wenn Sam Sethi sein Projekt an die Blognation-BloggerInnen übergeben würde, anstatt es zu versteigern. Ihnen schuldet er vermutlich das meiste Geld, so könnte er einen Teil davon abgleichen. Sie könnten dann unter anderer Führung mit realistischen Aussichten weiter arbeiten.
Google AdSense Scroll-Funktion
17. Dezember 2007
Ich war überrascht zu sehen, dass bei einer Google Adsense-Anzeige zwei Scroll- oder Voting-Buttons angezeigt wurden. (So klar ist das für mich nicht gewesen - das hätten genau so gut Buttons zum Bewerten der Werbungen sein können.)
Mit den Buttons kann man die angezeigten Anzeigen aus dem sichtbaren Bereich scrollen lassen und neue Anzeigen einblenden.
Interessante Idee, auch wenn das User Interface nicht besonders verständlich ist.
Die Idee dahinter ist aber sehr interessant: Das Puplikum soll mit den Werbungeflächen interagieren können, auch wenn Google vielleicht ohnehin schon gute Werbung anzeigt.
Das Ziel ist, die Aufmerksamkeit zu erhöhen - er sich die Arbeit antut, die Werbungen auszuwechseln, gibt ihnen grundsätzlich Aufmerksamkeit und klickt viel eher auf eine Werbung.
Ich gehe stark davon aus, dass das nur ein Test ist und ich das nur zufällig sah, die Tatsache, dass Google mit solchen Ideen experimentiert zeigt mir aber, wie sehr die Argumente, Google werde schwerfällig und langsam, falsch sind. Jedenfalls sehe ich das weder bei Yahoo! Publisher Network- noch Microsoft adCenter-Werbungen.
Netzneutralität: Immer mehr Argumente dafür!
15. Dezember 2007
Wer hätte gedacht, dass die Telekom-Konzerne, die sich in den USA so sehr gegen eine gesetzlich festgeschriebene “Netz-Neutralität” gewehrt haben, plötzlich immer mehr Gründe dafür liefern, wieso die Netz-Neutralität so dringend vorgeschrieben werden muss?
Netz-Neutralität
Netz-Neutralität bedeutet im wesentlichen, dass die Internet-Provider unter keinen Umständen den Zugriff auf Websites künstlich beeinflussen dürfen. Internet-Provider würden gerne von Website-Betreibern Geld für bessere Verbindungs-Geschwindigkeiten verlangen. Das wäre einerseits wettbewerbstechnisch bedenklich, weil Internet-Provider bestimmte Websites eine langsame Geschwindigkeit verpassen könnten, um Vertrags-Partner, die dafür entsprechend bezahlen, einen Markt-Vorteil zu bieten.
Die Provider haben darauf einerseits damit gekontert, dass so etwas bisher noch nie der Fall war und der Markt sich von selbst regelt, andererseits gesagt, dass es besser wäre, die Internet-Firmen würden für den Traffic bezahlen, anstatt der Internet-Benutzer.
Bisher wurde in den USA kein Netz-Neutralitäts-Gesetz beschlossen, einige Präsidentschafts-KandidatInnen wollen das allerdings tun, falls sie gewählt werden. (Alle demokratischen KandidatInnen, sowie der repuplikanische Kandidat Mike Huckabee.)
Argumente für Netz-Neutralität
Ich war überrascht zu bemerken, dass die Internet-Provider durch einschlägige Aktionen allen Grund dafür geben, Netz-Neutralität gesetzlich festzuschreiben.
Das klingt jetzt harmloser, als es ist, aber Internet Service Provider (ISPs) sollten auf keinen Fall Websites verändern dürfen. Die Internet-Nutzer erwarten, dass www.google.com von Google kommt, wenn Rogers plötzlich eigene Inhalte dazu schaltet, ist das nicht nur verwirrend, sondern kann auch dem Unternehmen schaden. (Will ich, dass Google weiß, wie viel monatliches Download-Volumen ich noch frei habe? Tja, für die Benutzer sieht das aber so aus, als wüsste Google Bescheid. Das kann Google’s Reputation schaden.)
Abgesehen davon, dass ein ISP neben einem Hinweis bezüglich Limit-Übertretung auch andere Sachen einbauen könnte. Zum Beispiel Statistik-Software, Spyware, etc.
T-Mobile sperrt Twitter-SMS-Services. Das betrifft jetzt nicht direkt das Internet, aber auch hier sind offensichtlich gesetzliche Regelungen nötig! T-Mobile hat auch zugegeben, Twitter gesperrt zu haben.
Die Begründung? Twitter ist kein autorisierter Service, in den Nutzungsbedingungen des T-Mobile-Vertrags steht drin, dass T-Mobile solche Services nicht anbieten muss.
Liberalisierung des Post-Geschäfts
11. Dezember 2007
Mit 1. Jänner 2008 wird in Deutschland das private Post-Markt liberalisiert, muss also auch für private Postkonzerne geöffnet werden. Die deutsche Regierung hat gleichzeitig einen Mindestlohn im Postsektor beschlossen - weniger als 8 Euro dürfen Postbedienstete nicht verdienen.
Mindestlöhne grundsätzlich sind richtig und wichtig - wenn die Leute weniger verdienen, muss der Lohn vom Staat durch Beihilfen und Unterstützungen ausgeglichen und wird indirekt trotzdem von den SteuerzahlerInnen bezahlt.
An sich ist es ein Problem, dass das Privatkundengeschäft ohnehin keine oder nur minimale Gewinne abwirft, vor allem außerhalb von Ballungsgebieten. Die Frage ist jetzt:
Soll das Postgeschäft überhaupt liberalisiert werden?
Es gibt eine Basis-Infrastruktur, die für eine Wirtschaft sehr wichtig ist. Die Post gehört da ganz eindeutig dazu, genau so wie Telekom-, Strom- und Verkehrs-Dienstleistungen.
Wenn eine Region keine Postdienstleistungen hat, ist sie für jegliche Wirtschaft irrelevant. Jetzt würde das zwar kaum passieren, weil der Staat regulatorisch eingreifen würde. Aber durch die Liberalisierung des Geschäftskundengeschäfts verlieren die (staatlichen) Post-Gesellschaften ein lukratives Geschäft und müssen Verluste im Privatkundengeschäft entweder durch Einsparungen ausgleichen (wenn die Firmen an der Börse notieren) oder vom Staat ausgeglichen werden.
Niemand will sehen, dass der Staat die Postgesellschaften finanziell subventionieren muss, die Lösung ist also, Kosten einzusparen, und das bedeutet eine Ausdünnung des Postgeschäfts und eine Verschlechterung des Services. Dann haben wir irgendwann Zustände wie in ländlichen Regionen der USA, wo die Post oft eine Woche braucht, bis sie ankommt. (Versucht da mal, eine Tageszeitung zu bestellen, die es nicht am Kiosk gibt!)
Staatliche Betriebe haben nicht immer etwas mit Kommunismus zu tun, sondern mit einer wirtschaftlichen Gleichberechtigung ländlicher Regionen.
Wenn Blogger die Kommunikation nicht verstehen…
10. Dezember 2007
Sam Sethi wollte und will mit Blognation ein ambitioniertes, weltweites Blog-Netzwerk gründen. Blognation ist auch tatsächlich in den verschiedensten Ländern der Welt aktiv und berichtet ausführlich über alles, was dort in der lokalen Technologie- und Start-Up-Szene passiert.
Die Idee von Blognation ist sehr gut, der Versuch, Web-Start-Ups abseits des Silicon Valley ein Sprachrohr zu geben lobenswert. Wäre da nicht Sam Sethi, der Gründer von Blognation.
Im Juli an den Start gegangen, hat er seinen Schreiberlingen versprochen, sie zu bezahlen, sobald er eine Finanzierungsrunde abgeschlossen hat - das würde im September sein. Im September gab es keine Finanzierungsrunde, seinen Mitarbeitern hat er aber versprochen, dass die Verträge unterschrieben wurden und das Geld bereits auf seinem Konto ist oder in wenigen Tagen sein würde. Bis heute wurde noch immer keine Finanzierungsrunde abgeschlossen. Er scheint, seine Mitarbeiter angelogen zu haben, was auch mehrfach bestätigt wird.
Die beste Zusammenfassung kommt vom ehemaligen Blognation USA-Redakteur Oliver Starr, kommentiert bzw. bestätigt von Blognation Deutschland-Redakteurin Nicole Simon. Wenn nur die Hälfte dessen stimmt, was hier von ehemaligen und aktiven Blognation-Bloggern geschrieben wird, ist das eine Katastrophe für alle Beteiligten.
Eines ist jedenfalls klar. Sam Sethi’s Reaktion auf die Anschuldigungen (“The Funding Took Longer Than I Thought, Sorry Team”) ist mehr als dürftig und beseitigt keine der Befürchtungen, ganz im Gegenteil: Das Nicht-Eingehen auf die Anschuldigungen lässt befürchten, dass daran etwas wahres ist.
Er sagt im Prinzip, dass es ihm Leid tut, dass er noch keine Finanzierungsrunde abgeschlossen hat, dass es schwer ist, eine profitable Firma aufzubauen und dass er Updates über die Finanzierungsrunde in den nächsten Tagen posten wird.
Was fehlt? Eine Antwort auf die Anschuldigungen, er hätte versprochen, dass das Geld bereits auf seinem Konto sei. Eine Antwort auf den gefakten Kontoauszug (und sei es, dass er sagt, das wäre nicht von ihm). Eine Begründung, wieso Oliver Starr zwar angeblich schon lange gebeten wurde, zu gehen, aber bis zum Schluss Zugriff auf Blognation hatte. Und so weiter.
Hat der Mann nicht verstanden, dass er im Blog-Business ist? Alle seine MitarbeiterInnen haben Blogs, es ist doch logisch, dass sie auch schreiben werden, wenn er die Sache mit den Gehältern so massiv verbockt.
Ich persönlich bin gespannt, ob es jetzt noch eine Chance auf eine Finanzierungsrunde gibt, vor allem, wenn ein großer Teil des Geldes dafür verwendet werden muss, um Rückstände auszugleichen. Am besten für Blognation wäre es, wenn ein neuer Chef mit einem neuen Konzept weiterarbeiten würde, zum Beispiel einem Equity- und Revenue-Sharing-Modell, wo die BloggerInnen neben Anteilen am Projekt ihr Gehalt (wenigstens teilweise) aus den Werbeeinnahmen beziehen.
So sind die meisten Blogs groß geworden, das gibt dem Projekt eine realistischere Erfolgschance, weil die Basis-Ausgaben niedrig sind.
Aber das kann man von einem Blog-Netzwerk, das aus Rache wegen des Rauswurfs von TechCrunch UK gegründet wurde, wohl kaum verlangen…
Opera vs. Firefox
1. Dezember 2007
Update: Hier befindet sich der aktuellere Beitrag zum neuen Opera 9.5.
Wer in den Medien von Web-Browser liest, liest vermutlich immer nur von Firefox vs. Internet Explorer, in einem Kampf von David gegen Goaliath. Mozilla Firefox ist auch tatsächlich der David im Vergleich zu Microsoft’s Internet Explorer. Nur gibt es neben Firefox auch noch andere Browser, von denen vor allem Opera nennenswert ist. (Safari ist es nicht, denn der ist nur für Mac OS X verfügbar, und in einer sehr, sehr fehlerhaften Version für Windows.)
Dass Firefox 2 dem Internet Explorer 7 um einiges Voraus ist, will ich hier nicht diskutieren. Es steht außer Frage. Ganz einfach. Sowohl als Benutzer (Der IE7 benötigt zum Öffnen eines Tabs mehrere Sekunden. Grauenhaft.) als auch als Entwickler. (Bei Presentify hab ich mit Firefox entwickelt, danach für Opera, IE7 und IE6 optimiert. Opera war kein Problem, da waren nur ein paar Formulierungen im Stylesheet zu ändern, das ist locker in einer halben Stunde gegangen. IE7 benötigte ca. zwei Stunden Arbeit und ein eigenes Stylesheet. IE6 benötigte 6 weitere Stunden Arbeit und ebenfalls ein eigenes Stylesheet.)
Immer wieder, wenn man von Firefox 3 oder Opera 9 hört, wird von Opera-Nutzern gesagt, um wie viel besser und konfigurierbarer Opera wäre. Und von Firefox-Nutzern, um wie viel besser und flexibler der Firefox wäre.
Ich bin ein Firefox-Fan, aber grundsätzlich pragmatisch. Wenn ein besseres Produkt kommt, werde ich es nützen. Also probier ich mich heute wieder mal am Opera.
Erster Eindruck
Der erste Eindruck? Ich muss umkonfigurieren! Das ist das erste, was ich bemerkt habe. Und zwar: Wenn man bei Opera mit STRG + Tab zwishcen den Tabs zerumwechselt, verhält sich Opera wie Windows - es scrollt nach der letzten Verwendung. Auch, wenn das das Standard-Windows-Verhalten ist - es ist bei Tabs ziemlich nervig. Das musste ich umstellen, ging aber für einen Power-User zum Glück leicht.
Surf-Verhalten
Es ist angenehm zum Surfen. Opera legt Wert auf ein “weiches” Surf-Gefühl. Ich kann es nicht besser beschreiben. Man fühlt sich meistens einfach wohl. Die Speed Dial-Funktion ist erstaundlich praktisch. Wirklich. Hab ich nicht erwartet.
Auch das “weiche” scrollen ist echt super. Und ist prompt auch als “Smooth Scrolling” bei mir im Firefox aktiviert. (Wieso ist das nicht Standard?)
Nachteile
Opera hat aber leider auch viele Nachteile.
Das User Interface verhält sich nicht wie Windows. Auch, wenn das manchmal schöner ist - es ist nicht praktisch, weil alle anderen Programme anders funktionieren. Damit hab ich eine Lern-Hürde. Opera kann nichts dafür, dass Windows nicht diese coolen, kleinen Funktionen hat. Aber trotzdem sollte das alles standardmäßig deaktiviert sein.
Etwas konkretes: Wenn man mit STRG + Tabulator zwischen den geöffneten Tabs zerumspringt, öffnet Opera ein Fenster mit den Titeln der aktiven Tabs - auf dem Fenster wird angezeigt, was man gerade ansteuert. Das Browser-Fenster ändert sich erst, wenn man seine Wahl getroffen hat. Das ist ein großer Fehler. Ein riesiger Fehler. Ganz brutales “No-Go”. Einmal mehr ist das zwar das Standard-Verhalten von Windows, aber einmal mehr kann man Tabs nicht mit Programmen vergleichen. Ein Programm hat ein Icon - auf der Basis kann ich relativ leicht unterscheiden, wohin ich gerade wechsle. Aber längst nicht alle Websites haben ein eigenes Icon. Und selbst wenn - es wird sehr klein angezeigt, in 16×16 (größer wird es ja auch nicht geliefert!). Firefox macht es richtig: Es wird gleich der jeweils aktive Tab angezeigt.
Noch etwas: Kein Tastenkürzel für das Suchfeld. Ja, ich kann “g Suchbegriff” in die Adressleiste eingeben, aber wofür ist das Suchfeld dann gut? Ich würde mir wünschen, mit einem Tastenkürzel in das Suchfeld springen zu können. Am besten natürlich mit STRG + K, wie beim Firefox, aber das scheint beim Opera bereits belegt zu sein. Egal, es findet sich schon was. Nur ohne ist es echt nicht praktisch!
Und: Keine Add-Ons. Die größte Stärke von Firefox ist es, Add-Ons zu installieren. Egal, wie viele Funktionen Opera hat - einige der wichtigsten Firefox-Funktionen sind für den Opera ganz einfach nicht verfügbar: MeasureIt, Firebug & YSlow, FireFTP, S3 Firefox Organizer, PDF Download, Resizeable Textarea.
Fazit
Mein Fazit ist klar: Ich bleibe beim Firefox. Opera ist zwar ziemlich cool, aber nicht flexibel genug. Für den Durchschnitts-Surfer ist Opera vielleicht eine gute Alternative - für Web-Entwickler nicht. Und jeder, der das Gegenteil behauptet, hat Firebug noch nicht verwendet! ![]()