Sam Sethi wollte und will mit Blognation ein ambitioniertes, weltweites Blog-Netzwerk gründen. Blognation ist auch tatsächlich in den verschiedensten Ländern der Welt aktiv und berichtet ausführlich über alles, was dort in der lokalen Technologie- und Start-Up-Szene passiert.

Die Idee von Blognation ist sehr gut, der Versuch, Web-Start-Ups abseits des Silicon Valley ein Sprachrohr zu geben lobenswert. Wäre da nicht Sam Sethi, der Gründer von Blognation.

Im Juli an den Start gegangen, hat er seinen Schreiberlingen versprochen, sie zu bezahlen, sobald er eine Finanzierungsrunde abgeschlossen hat - das würde im September sein. Im September gab es keine Finanzierungsrunde, seinen Mitarbeitern hat er aber versprochen, dass die Verträge unterschrieben wurden und das Geld bereits auf seinem Konto ist oder in wenigen Tagen sein würde. Bis heute wurde noch immer keine Finanzierungsrunde abgeschlossen. Er scheint, seine Mitarbeiter angelogen zu haben, was auch mehrfach bestätigt wird.

Die beste Zusammenfassung kommt vom ehemaligen Blognation USA-Redakteur Oliver Starr, kommentiert bzw. bestätigt von Blognation Deutschland-Redakteurin Nicole Simon. Wenn nur die Hälfte dessen stimmt, was hier von ehemaligen und aktiven Blognation-Bloggern geschrieben wird, ist das eine Katastrophe für alle Beteiligten.

Eines ist jedenfalls klar. Sam Sethi’s Reaktion auf die Anschuldigungen (“The Funding Took Longer Than I Thought, Sorry Team”) ist mehr als dürftig und beseitigt keine der Befürchtungen, ganz im Gegenteil: Das Nicht-Eingehen auf die Anschuldigungen lässt befürchten, dass daran etwas wahres ist.

Er sagt im Prinzip, dass es ihm Leid tut, dass er noch keine Finanzierungsrunde abgeschlossen hat, dass es schwer ist, eine profitable Firma aufzubauen und dass er Updates über die Finanzierungsrunde in den nächsten Tagen posten wird.

Was fehlt? Eine Antwort auf die Anschuldigungen, er hätte versprochen, dass das Geld bereits auf seinem Konto sei. Eine Antwort auf den gefakten Kontoauszug (und sei es, dass er sagt, das wäre nicht von ihm). Eine Begründung, wieso Oliver Starr zwar angeblich schon lange gebeten wurde, zu gehen, aber bis zum Schluss Zugriff auf Blognation hatte. Und so weiter.

Hat der Mann nicht verstanden, dass er im Blog-Business ist? Alle seine MitarbeiterInnen haben Blogs, es ist doch logisch, dass sie auch schreiben werden, wenn er die Sache mit den Gehältern so massiv verbockt.

Ich persönlich bin gespannt, ob es jetzt noch eine Chance auf eine Finanzierungsrunde gibt, vor allem, wenn ein großer Teil des Geldes dafür verwendet werden muss, um Rückstände auszugleichen. Am besten für Blognation wäre es, wenn ein neuer Chef mit einem neuen Konzept weiterarbeiten würde, zum Beispiel einem Equity- und Revenue-Sharing-Modell, wo die BloggerInnen neben Anteilen am Projekt ihr Gehalt (wenigstens teilweise) aus den Werbeeinnahmen beziehen.

So sind die meisten Blogs groß geworden, das gibt dem Projekt eine realistischere Erfolgschance, weil die Basis-Ausgaben niedrig sind.

Aber das kann man von einem Blog-Netzwerk, das aus Rache wegen des Rauswurfs von TechCrunch UK gegründet wurde, wohl kaum verlangen…

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