FriendFeed ist ein “Life Aggregator”, was auch immer das bedeuten soll - die Branche muss sich erst selbst definieren - und steht in Konkurrenz zu Projekten wie (dem österreichischen) Soup.io, Tumblr oder dem Facebook Newsfeed. Das Projekt unterscheidet sich aber von allen anderen, unter anderem auch wegen dem Gründer-Team, das dahinter steckt.
Gründungs-Team
Das Gründungs-Team (Bret Taylor, Jim Norris, Paul Buchheit, Sanjeev Singh, Ana Yang, Kevin Fox) besteht aus lauter ehemaligen Google-Mitarbeitern, die sich für die drei einzigen wirklich erfolgreichen nicht-Such-bezogenen Google-Services verantwortlich zeigen: Gmail, Google Maps und Google AdSense.
Der UI-Experte Kevin Fox ist für die drei schönsten Google-Anwendungen verantwortlich: Gmail, Google Calendar, Google Reader (Ja, ich finde diese Google-Designs zwar puritanisch aber genial.)
Paul Buchheit ist außerdem für das Google-Motto “Don’t be evil” verantwortlich.
Startkapital: 5 Millionen Dollar
Abgesehen davon, dass FriendFeed jetzt für alle frei zugänglich ist, konnte das Team auch noch ein 5-Millionen-Dollar-Investment sichern, angeblich aber eh primär aus eigenen Mitteln, ein bisschen was kommt auch von Benchmark Capital.
Das Produkt
FriendFeed ist unglaublich einfach. Wie auch Konkurrenzprodukte lädt es alle möglichen Informationen von allen möglichen Services und ermöglicht es, andere Leute als Freund/innen einzutragen, um deren Updates zu erhalten. Diese Einträge können kommentiert werden, was oft zu interessanten Diskussionen führt.
Im Gegensatz zu anderen Produkten hört es aber dabei nicht auf. Man kann “imaginäre Freund/innen” erstellen - für Leute, die nicht bei FriendFeed angemeldet sind, kann man virtuelle Accounts erstellen, um deren Informationen darüber zu erhalten und in der Liste werden manchmal Einträge von anderen Personen angezeigt, die von meinen Freund/innen als Freund/in eingetragen wurden.
Außerdem gibt es gute Verfeinerungsfunktionen - so kann man bestimmte Feeds einer Person deaktivieren. Wäre Robert Soble noch immer ein so aktiver Twitterer, könnte ich hier seine Twitter-Aktivitäten abstellen, ohne auf die Google Reader Shared Items verzichten zu müssen.
All das führt zu einem Produkt, das für mich viel mehr Sinn macht als das Tumblelog-Konzept (Tumblr, Soup.io) oder das geschlossene Facebook-System. Außerdem beweist FriendFeed, dass Technologie und die Liebe zum Detail sehr wichtig sind. Während Soup.io sehr großen Wert auf ein durchgestyltes Design legen aber simple Sachen übersehen, wie die totale Unübersichtlichkeit der Seite, wenn mehrere längere Artikel von Google Reader eingelesen werden, wird bei FriendFeed auf alles geachtet.
Aber im Prinzip ist das nicht verwunderlich. Wenn man die Leute hinter Gmail und Google Maps nimmt und in eine Firma steckt, muss dabei wohl etwas gutes heraus kommen.
Geld verdienen?
Bleibt nur noch eine Frage über: Wie verdient man damit Geld? Abgesehen davon, dass ich stark davon ausgehe, dass Werbung eine Rolle spielt - was sonst - kann ich keine Antwort geben. Eine große Rolle spielt sicher, dass Werbung kreativ und nützlich eingebaut wird. Ein simpler AdSense-Block wirds da nicht tun.