ReadBurner ist zurück!
16. April 2008
Alexander Marktl’s ReadBurner ist eine kleine österreichische Web-Erfolgsgeschichte, die sich vor allem in den USA verbreitet und eine aktive Nutzerbasis etabliert hat. Qoove-Geschäftsführer Alex hat das Projekt in seiner Freizeit gestartet und darf A-List-Newcomer Louis Gray verdanken, dass der Service nicht nur sehr schnell Bekanntheit erlangt hat, sondern auch viel zu schnell gewachsen ist. Am 5. März ist ReadBurner offline gegangen, Alex hatte keine Zeit mehr dafür, am 14. wurde der Verkauf an eine Gruppe rund um Mashable-Redakteur Adam Ostrow angekündigt, am 15. April hat die neue Version gestartet.
Was ist ReadBurner?
ReadBurner analysiert Google Reader Shared Items-Feeds, die von den ReadBurner-Besucher/innen eingetragen werden können. Heraus kommt in etwa eine elitäre Version von Digg. Das “mitstimmen” erfordert nämlich einen Account bei Google Reader und ein Abonnement des Blogs, der ein bestimmtes Thema aufgebracht hat.
Vom Layout erinnert ReadBurner an eine Mischung aus Digg und Techmeme - man sieht, wie viele “Shares” ein Blog-Post erhalten hat (siehe Digg) und sieht rechts eine Liste an populären Posts der letzten Woche (siehe Digg), zu jedem Post werden wenn möglich ähnliche Posts angezeigt (siehe Techmeme).
Problem: Kommentar-Silos
Ein kleines Feature ist es aber, das die US-Blogosphere in den letzten Tagen auf Trab gehalten hat: Integrierte Kommentare mit Disqus. (Disqus ist ein zentraler Kommentar-Service, der in Blogs integriert werden kann und so die Kommentar-Silos aufzubrechen versucht.) Die meisten Blogs ermöglichen auf ihren Blog-Seiten Kommentare, ein wesentlicher Grund, die Blog-Websites überhaupt noch zu besuchen.
Dezentrale Kommentare auf Aggregator-Services erzeugen für die Blogger zwei Probleme:
- Es wird schwieriger und aufwendiger, den Kommentaren zu einem Blog zu folgen. Digg, ReadBurner, FriendFeed, sie alle bieten Kommentar-Funktionen an, alle in ihren eigenen Silos. (So sehr Disqus nämlich versucht, diese Silos aufzubrechen, bekommen ein Blog-Eintrag bei ReadBurner und im Original-Blog nämlich zwei separate Kommentar-Seiten.) Keine der Seiten ist bisher in der Lage, diese Kommentare an eine zentrale Stelle zurück zu posten. Interessant wäre es, wenn Disqus wenigstens den Aggregatoren erlauben würde, Kommentare zurück zum Original-Post zu schicken, wenn diese Disqus verwenden. FriendFeed könnte die Disqus-API nützen, um das gleiche zu tun.
Immerhin: Disqus kündigt an, die verschiedenen Kommentar-Stränge zusammenfügen zu wollen. - Die Blogs verlieren einen Teil ihrer Besucher/innen. Vor allem kommerzielle Blogs leben aber von Werbeeinschaltungen, vor allem auf ihren Websites. Nur wenige Blogs vermarkten bisher ihre Blogs auch im RSS-Feed. Das Blog-Geschäftsmodell steht erst am Anfang, noch gab es außer Weblogs, Inc. noch keine wesentlichen Exits, niemand weiß, ob es die überhaupt geben wird. Mit der Dezentralisierung der Kommentare wird das noch schwieriger.
Ich bin gespannt, ob ReadBurner diese Diskussion weiter anstacheln wird - ich bin sicher, dass die meisten kommerziellen Blog-Netzwerke (zB Techcrunch, GigaOm, PaidContent, Read/WriteWeb, Mashable oder Silicon Alley Insider) intern heftig diskutieren, wie sie dieser Schwierigkeit begegnen können.
16. April 2008 at 16:50 Uhr
Hey Sebastian. Danke für den ausführlichen Artikel!
Ich bin auch gespannt wie sich die ganze Problematik rund um “Kommentar-Silos” lösen kann/wird…