Ich bin zwar ein Web-Freak, habe Profile bei einem ganzen Haufen Websites, habe einen Blog, den ich unter meinem echten Namen schreibe, etc. Ich bin aber auch ein Freund der Privatsphäre. Mir ist klar, dass Google mittlerweile viel über mich wissen muss. Aber bekomme ich diese Informationen auch wieder raus?

Ich hab das Experiment gemacht, und versucht, möglichst viele (unnötige bzw. unerwünschte) Informationen über mich aus der Google-Suchmaschine rauszubekommen.

Ich hatte dabei vier Ziele:

  1. Weg mit unnötigen Informationen (Profile, die ich nur zu Testzwecken angelegt habe, die keine Informationen beinhalten, außer, dass sie existieren)
  2. Weg mit unerwünschten Informationen (zB politische Meinungen, die mir im Berufsleben schaden könnten.)
  3. Prominentere Platzierung der erwünschten Profile (XING, LinkedIn, Facebook, mein Blog, Presentify - sie sollen nicht hinter anderen Seiten versteckt werden)
  4. Vermischen mit anderen, gleichnamigen Personen (Ein Suchergebnis ohne Foto oder sonstigen persönlichen Details verliert damit an Wert, da es nicht mehr eindeutig zugeordnet werden kann.)

Das ist ganz einfach gegangen: Ich hab auf www.google.com nach meinem Namen gesucht und geschaut, was kommt. Flickr-Profil, alter Blog, ehemaliger Projekt-Blog, neuer Blog, verschiedenste Website-Profile - alles mögliche ist aufgetaucht.

Eines nach dem anderen hab ich die Websites besucht, mich eingeloggt und versucht, die Accounts zu löschen, meine Daten zu verstecken oder wenigstens die persönlichen Daten auf allgemeine Daten zu ändern.

Heute, ca. ein Monat später, hab ich wieder gesucht und geschaut, was sich geändert hat. Et voilà: Meine Profile wurden stark ausgedünnt!

Meine Erfahrung

Google löscht Suchergebnisse, die als Websites nicht mehr existieren (logisch) und indexiert auch alles regelmäßig neu, dadurch war ich relativ erfolgreich beim Löschen meiner Daten. Es lohnt sich aber auch, mit Windows Live Search, Yahoo! und Ask zu suchen. Nicht, weil diese Suchmaschinen mehr Ergebnisse anzeigen (ganz im Gegenteil), sondern weil sie durch andere Ranking-Algoritmen auch andere Websites anzeigen.

Zum Glück bieten die meisten Websites bieten Möglichkeiten, die persönlichen Daten entweder zu verstecken oder die Accounts gleich ganz zu löschen.

Ausnahmen & Probleme

Benutzernamen

Es gibt Ausnahmen, das sind die Benutzernamen. Ich verwende bei einigen Websites meinen vollen Namen als Benutzernamen. Das wäre kein großes Problem, könnte man bei einigen Websites die Accounts nicht löschen! Heute beginne ich mit dem zweiten Schritt - ich werde die Websites anschreiben und um das Löschen meines Accounts bzw. Ändern meines Benutzernamen bitten. Ich bin gespannt auf den Erfolg dabei.

Profil-Bilder

Viele Websites, bei denen ich zwar mein Profil nicht löschen konnte, aber wenigstens die Daten “zerstörte”, hatten keine Funktion, um das Profil-Bild zu löschen. Das lässt sich leicht umgehen: Nehmt ein leeres Bild (Ich hab eine transparente 1×1 Pixel große GIF-Grafik genommen.) und ladet es hinauf - Problem gelöst.

Account löschen

Ein Grundsatzproblem, das ich oft entdeckt habe ist, dass man Accounts ganz einfach nicht löschen kann. Ich habe selbst mehrere Community-Websites entwickelt und weiß, dass man schwer einfach alle Daten einer Person aus einer Website entfernen kann, aber ich weiß, dass es durchaus möglich ist, persönliche Daten auf Wunsch der Mitglieder unerkennbar zu machen.

Eine andere Erfahrung war, dass manche Websites das Löschen der Accounts nur auf Anfrage durchführen. Digg beispielsweise meinen Account gelöscht, nachdem ich das per E-Mail angefordert habe. Ich sehe das als Problem, das Löschen eines Accounts sollte keine Support-Interaktion brauchen, sondern einfach mit einem Klick in den Account-Einstellungen gehen. Man weiß nie, ob so ein E-Mail nicht untergeht oder ewig lange zum Bearbeiten braucht. (Digg muss man zu Gute halten, dass der Account innerhalb einer Stunde gelöscht war.)

Langzeit-Speicher

Während ich von den Suchmaschinen meine Daten runter bekommen habe, gibt es einen zweiten Typ an Websites, die sich davon nicht beeindrucken lassen, weil sie diese Suchresultate längst gespeichert haben: Profil-Aggregatoren wie Spock und Langzeit-Suchmaschinen wie das Web Archive. Letzteres ist keine wirkliche Bedrohung, weil es sehr unbekannt und unglaublich langsam ist und zusätzlich die Suchalgoritmen nicht gerade der Hammer sind. Spock et al sind aber nicht zu unterschätzen. Sie durchsuchen das Web selbst und löschen alte Ergebnisse nicht, sondern behalten sie im System. (Klar, sie suchen ja nicht nach Websites, sondern nach Informationen.)

Man kann Spock zwar beeinflussen - es gibt aber das Risiko, Daten nicht mehr aus dem System zu bekommen. Am Klügsten ist es hier, das Profil für sich zu nützen und zu beeinflussen, um unerwünschte Informationen zu entfernen.

Presentify.com

Dieses Experiment hat mir für Presentify die Augen geöffnet, das ebenfalls persönliche Informationen sammelt. Wir ermöglichen es unseren Mitgliedern, ganz einfach ihren Account zu löschen - in diesem Fall werden bis auf den Namen alle Profil-Informationen (Alter, Geschlecht, Homepages, Profil-Bild, etc.) sowie Events (inkl. alle damit zusammenhängenden Daten) und Freundschafts-Einträge vollständig gelöscht, der Name wird zusammengestutzt (aus “Sebastian Moser” wird “Sebastian M.”). Was wir nicht löschen, sind die vom Mitglied erstellten Daten. (Nachrichten, Gästebuch-Einträge, Kommentare)

Ich denke, das ist ein vernünftiger Mittelweg.

Wie kann man den Prozess des Löschens der persönlichen Daten im Internet vereinfachen? Welche Standard-Regelungen sollte es geben?

4 Responses to “Persönliche Daten im Internet”

  1. Manzenreiter Hans-Peter Says:

    Hi Sebastian!

    tja, es ist so, dass paar Suchmaschinen nicht immer alle Seiten neu crawlen. D.h. es wird gecachte Seiten geben mit deinen Info’s, quasi Restleichen.

    Wie auch immer, ich bin Pro OpenID. 1 Account fuer X Plattformen.

    ich weiss jetzt nicht, wie schwierig es ist zum umsetzen (technisch), aber ich denke, dass das die Zukunft ist.

    just my 20 cents.

  2. Sebastian Moser Says:

    Die Restleichen bleiben bisher nicht in den Suchmaschinenergebnissen drinnen - aus dem einfachen Grund, dass Google (meist zurecht) davon ausgeht, dass Websites, die nicht mehr existieren, wohl zurecht nicht mehr existieren.
    Der Grund, wieso vor allem Microsoft und Yahoo noch immer viele Seiten von mir im Index haben, die längst nicht mehr existieren ist eher der, dass die das Web nur selten und langsam crawlen. (Im Gegensatz zu Google, das manche Websites täglich besucht.)

    OpenID hat damit aber wenig zu tun. Bei OpenID geht’s darum, dass man sich nicht auf jeder Seite separat anmelden muss - etwas, das in der Theorie gut funktioniert, aber nicht mal bei “geekigen” Websites funktioniert. (Beispiel http://www.zooomr.com: Die haben die OpenID-Login-Box auf eine Extra-Seite verbannt, da sie mehr Verwirrung gestiftet als Nutzen gebracht hat.)
    Vor allem aber: Wenn man mit OpenID Accounts bei verschiedenen Websites anlegt, existieren diese Accounts trotzdem - egal, ob man diesen Account mit neuem Passwort und Benutzernamen oder mit einem OpenID-Login erstellt hat.

    Ich hab über OpenID vor ca. einem Jahr mal geschrieben:
    http://blog.sebmos.com/2007/02/21/openid-technischer-hintergrund/

  3. Manzenreiter Hans-Peter Says:

    @Suchmaschinen: Naja, auch wenn Google den Platz dominiert, gibt es die anderen eben auch noch - wo nach pers. Daten gesucht werden kann (wenns schon um das Thema geht :)) und die sind da eben ein wenig nachlaessig.

    @OpenID: ja, stimmt — mein Denkfehler. Aber, der Account muss trotzdem nur einmal angelegt werden (umgehen von Registrierung usw.) ist aber dann eher Off-Topic und ein anderes thema.

    c’est la vie.

  4. Sebastian Moser Says:

    Naja, bei den Suchmaschinen musst du das so sehen:

    Yahoo und Microsoft sind einfach nur langsam, aber irgendwann werden auch da meine alten Profile verschwinden.

    Web Archive (web.archive.org) kann nicht suchen, sondern nur nach Websites filtern. Das klingt nach etwas, das leicht geändert werden kann, ist es aber nicht. Da liegen riesige Unterschiede.

    123people.com und Yasni.de sind wieder kein wirkliches Problem - beide durchsuchen im Wesentlichen verschiedene andere Quellen nach Daten (vor allem klassische Suchmaschinen, die eben wieder verfallen) und speichern die Daten nicht bzw. im Fall von Yasni nur auf Wunsch des Mitglieds.

    Wenn wir schon beim Thema sind:
    http://blog.sebmos.com/2007/10/31/yasni-schlechter-spock-klon/
    Dieser Artikel über Yasni ist seit Monaten einer der meistaufgerufenen Artikeln.

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