Hisbollah 1, Zivilisation 0
16. Juli 2008
Der Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah ist durchgeführt: Israel bekommt die Leichen zweier Soldaten, von denen man lange geglaubt hatte, sie würden noch leben. Hisbollah bekommt dafür ca. 200 Leichen von ihren Kämpfern und mehrere Gefangene, unter anderem einen Kindermörder.
Hoffen wir, dass Gilad Shalit noch lebt und befreit werden kann.
Hisbollah (Iran) 1, Zivilisation 0
Zitat des Tages
7. Juli 2008
Angesprochen darauf, dass Orange eine wenig erfolgreiche Farbe sei sagt der neue Chef von One (das eben bald in “Orange” umgetauft wird), Michael Krammer:
Wenn ich jetzt politisch wäre, würde ich sagen, ich hoffe, dass die Neuwahlen vor dem Rebranding stattfinden und dies dann kein Thema mehr ist.
(Michael Krammer war übrigens vorher der Telering-Chef, der das Unternehmen wie Phoenix aus der Asche aufsteigen ließ.)
via derStandard.at
Endlich: Ein Open Source Twitter-Klon
3. Juli 2008
Gestern beim Blogtail #5 hab ich mehrmals ganz dezent erwähnt (Ich bin auch ein paar mal gefragt worden!), dass ich nicht Twitter verwende, und warum nicht. (Eine Firma, die 5 Millionen Dollar Risikokapital hat, muss in der Lage sein, in zwei Jahren ihr Service lauffähig zu machen) Heute steh ich auf, les meine Feeds und ZACK, ist da die Geschichte von Identi.ca dabei - einem Twitter-Klon (also ehrlich - es ist wirklich ein 1:1-Klon) mit einem wesentlichen Vorteil: Er ist Open Source.
Das bedeutet: In Zukunft kann jeder seinen eigenen Twitter-Klon aufsetzen. Und durch die OpenMicroBlogging-Spezifikation sollen die alle mit einer einheitlichen API angesprochen werden können.
Identi.ca ist selbstverständlich sofort gecrashed, war ja auch zu erwarten. Identi.ca hat ja keine 5 Millionen Dollar Risikokapital bekommen.
Es haben sich aber mittlerweile ein ganzer Haufen Leute angemeldet. Ich hab auch meinen Lieblings-Benutzernamen, “seb”, anmelden können. (Bei Twitter hat den ein fieser Deutscher geklaut!)
Die API gibts noch nicht, die Seite hat ein mittelmäßiges Design und kommt mit den vielen BenutzerInnen noch nicht klar. Aber: Es ist Open Source - da kann man schon irgendwas damit anfangen.
(Ich werd sicher wieder darüber schreiben!)
Flash in Suchmaschinen: Trotzdem Müll
1. Juli 2008
Adobe hat mit Google und Yahoo zusammengearbeitet, um Flash-Texte von Suchmaschinen indizierbar zu machen. Dafür hat Adobe eine Technologie entwickelt (also einen SWF-Parser), die die Suchmaschinen verwenden.
Adobe möchte damit erreichen, dass mehr Leute ganze Homepages mit Flash entwickeln (und nicht nur Spiele, Video-Player oder Widgets). Google und Yahoo haben darin scheinbar wenig Vertrauen, da die SWF-Spezifikation nämlich von Adobe offengelegt wurde, hätten sie schon lange selbst einen SWF-Parser entwickeln können.
Das Problem mit Flash für Benutzer ist klar:
- Langsam
Es muss meistens ein Stück Flash vorab geladen werden. Weil Flash meistens auch schon animiert und gestyled ist, ist es meist Grafik-intensiver als eine normale Website. - Keine Standard-Funktion
Auch wenn die Mehrheit der Internet-Benutzer Flash installiert haben, gibt es immer noch viele, die es nicht haben. Eine Flash-Seite ist also ein Problem, weil einige Leute sie ganz einfach nicht ansehen können. Gar nicht. (Nicht optimiertes HTML für Uralt-Browser kann man trotzdem noch anschauen.) - Untypisches Verhalten
Flash verhält sich ganz einfach anders - das finde ich die nervigste Sache überhaupt. Markierter Text sieht anders aus. Das Kontext-Menü sieht anders aus. Alle UI-Elemente sehen anders aus.
Das Problem für die Benutzer ist auch ein Problem für die Suchmaschinen, denn die verlinken nicht zu Inhalten, die ihre Nutzer vielleicht nicht sehen können. Außerdem sind Flash-Inhalte schwer zu ranken, weil sie nicht verlinkt werden können.
Ich hoffe, dass Google die Rankings von Flash-Seiten nicht verbessert. Flash ist ein Werkzeug für die wenigen Dinge, die HTML (noch) nicht selbst kann. Hoffentlich wird es auch für andere Dinge ersetzt. Die Zeichen stehen gut: WHATWG (von allen Browser-Herstellern außer Microsoft unterstützt - bisher) hat einen <video>-Tag vorgeschlagen (Implementierung im Firefox ist in Arbeit) und will dem Dateiupload-Formular-Element <input type=”file”> ermöglichen, mehrere Dateien gleichzeitig hinaufzuladen.
Schiris durch Technik unterstützen
30. Juni 2008
Es gibt immer wieder den Vorschlag, Schiris mit Technik zu unterstützen (zB Videobeweis) - bei Fouls, möglichen Elfmeter, Abseits oder “Eckball vs. Abstoß”-Entscheidungen könnte das dafür sorgen, dass es mehr faire Entscheidungen gibt.
Die Fußballverbände sagen dagegen, dass es dem Fußball die menschliche Komponente nehmen würde - oder auch einfach das Spiel unnötig verzögern würde, oder - wie “Schneckerl” im Fernsehen mal ganz klug gesagt hat: Wenn der Schiedsrichter jedes Mal, wenn es ein Foul geben könnte, abpfeiffen würde, vom vierten Mann (oder so) das Video anschauen lassen würde und dann Foul, Schwalbe oder gar nichts pfeifft, wäre das ziemlicher Käse. Beispiel: Mögliches Foul im Strafraum - der Schiedsrichter pfeifft ab, die Fans beginnen bereits zu Jubeln und Pfeiffen, das Video sagt, es war kein Foul, die Fans sind enttäuscht bzw. glücklich, der Ball wird irgendwie weiter gespielt (Will man ernsthaft im Strafraum einen Schiedsrichterball machen?).
Würde der Schiedsrichter aber nur das abpfeiffen, was er als Foul sieht und sich dann noch kurz versichern, gäbe es genauso wieder Fehlentscheidungen (Was ist, wenn der Schiedsrichter etwas nicht als Foul sieht, was aber eines war?).
Ein vernünftiger Kompromiss wären meiner Ansicht nach folgende Bereiche:
- Abseits
Kameras mit einem Computer, der Ballberührungen und Spielerpositionen misst, können viel besser als Schiedsrichter erkennen, ob ein Spieler im Abseits steht. So schnell wie die Spieler mittlerweile sind, geht es dabei um so minimale Zeitabschnitte, dass knappe Entscheidungen oft schon ein reines Ratespiel sind. - Tor
Kameras bzw. Sensoren könnten anzeigen, wann der Ball tatsächlich hinter der Torlinie liegt. Immer wieder gibt es Bälle, bei denen das nicht so ganz klar ist, weil sie auf oder knapp hinter der Linie noch weggeschossen werden - was es genau war, ist bei den vielen Spielern im Strafraum für die Schieds- und Linienrichter manchmal nicht einfach zu sehen.
Um das wirr-warr im Strafraum allgemein besser zu überwachen, würde ich nicht auf Kameras, sondern auf zwei zusätzliche Linienrichter setzen - jeweils hinter der Torlinie. Sie könnten Fouls im Strafraum, die den Linienrichtern und dem Schiedsrichter entgehen, erkennen und würden unter Umständen besser sehen, welcher Spieler den Ball zuletzt berührt hat, bevor er hinter das Tor geht.
Opera 9.5
12. Juni 2008
Opera hat eine neue Version seines Desktop-Browsers herausgebracht, was leider in der Tech-Blogosphere ein bisschen unter geht (die Top-Story auf Techmeme ist, dass Firefox 3 am 17. Juni veröffentlicht wird - Opera 9.5 wird bisher nirgends gewürdigt), obwohl er gar nicht schlecht ist.
Ich verwende gerade Opera 9.5, um diesen Beitrag zu schreiben, und mein Feedback ist kurz und schmerzlos: Ich werde nicht zum Opera konvertieren.
Nerviges “Feature”
Immer, wenn ich ein Wort oder einen Text doppelt anklicke, markiert es den Satz (bzw. vom ersten bis zum letzten Punkt) und öffnet ein Kontextmenü, das mir einige Optionen für die Weiterverwendung des Textes anbietet. Ich hasse das. Nicht nur ist die Satzerkennung sehr dürftig (sie scheitert schon an formatierten Zahlen, á là 1.299,00 Euro), das Menü kommt auch zu öft (zum Beispiel in diesem Online-Blog-Editor, wenn ich Text markiere - das Problem ist hier, dass ich den Text nicht sofort ersetzen kann, weil der Fokus dem Menü gegeben wird) und stört meinen allgemeinen Lesefluss (ich markiere oft den zuletzt gelesenen Absatz in einem Text als visuelle Stütze mit einem Doppelklick).
Neuer Skin
Ich war nie ein großer Fan vom alten Opera-Skin, ich finde den neuen noch schlimmer. Er sieht halbfertig aus, als hätte jemand schlampig eine frühe Version erstellt, die dem Produktmanager gezeigt wird. Außerdem verhält sich das Opera User Interface allgemein nicht Standard-konform. Da sind viele Kleinigkeiten, die gesamt sehr nervig sind. Anerkennend kann man aber sagen, dass Opera wenigstens als Standard-Erscheinungsbild ein relativ Windows-ähnliches nimmt und nicht wie früher die eigene Kreation.
Vielleicht eine Geschmacksache, aber ich finde auch, dass die Navigations-Leiste über die Tab-Leiste gehören. (Die geht unter, weil sie so weit oben ist, obwohl sie wichtiger wäre.)
Such-Box
Ich weiß, man kann im Opera suchen, indem man in der Addressleiste “g Suchbegriff” eingibt, es gibt auch das separate Suchfeld - im Firefox hat das separate Suchfeld aber ein paar sehr nützliche Funktionen. Es speichert bisher gesuchte Begriffe und schlägt mir vielgesuchte Begriffe, á là Google Suggest, vor. Da bietet Firefox definitiv bei minimaler User Interface-Störung viel mehr Funktionalität.
Geschwindigkeit
Opera hat aber auch vor allem eine sehr, sehr tolle Funktion: Die Geschwindigkeit. Opera 9.5 ist merkbar schneller als bisherige Versionen und fühlt sich auch etwas schneller als Firefox 3 an. Das war schon immer eine Stärke von Opera, sie haben auch diesmal fleißig daran gearbeitet.
Malware Protection
Eine weitere gute Ergänzung ist die “Malware Protection”, also eine Schutzvorrichtung gegen Websites, die Schaden anrichten können. Da ist man Firefox 3 knapp zuvor gekommen, der das auch standardmäßig dabei haben wird, allerdings setzt man auf ein unterschiedliches Back-End. Während Firefox auf die Google Safe Browsing API zurück greift, hat Opera einen Vertrag mit dem Start-Up Haute Security abgeschlossen.
Mich würde jetzt interessieren, wie das abläuft - wird da regelmäßig eine Black List heruntergeladen (im Falle von Firefox, alle 15 Minuten meines Wissens), gegen die dann lokal die aufgerufenen Seiten überprüft werden (maximale Privatsphäre, weil die angesehenen Urls nirgends hingeschickt werden), oder wird jede Url an einen zentralen Server geschickt (noch ein bisschen höhere Sicherheit)?
Opera Link
Opera Link ist ein Synchronisierungs-Service, der Lesezeichen, Notizen und Schnellwahl-Websites zwischen verschiedenen Opera-Versionen synchronisiert, inklusive Opera Mini. Außerdem sind alle Daten online auf http://link.opera.com/ zugänglich. Ich vermisse hier zwar die größere Vision wie bei Mozilla Weave, praktisch ist der Service aber allemal.
Meine Meinung: Opera 9.5 ist nett, ein toller Browser, viele neue Features, aber nichts, das mich wirklich vom Hocker haut. Ich liebe nach wie vor die Firefox Add-Ons, die mir Funktionen ermöglichen, die Opera trotz riesig vieler Funktionen nicht hat. Teilweise Kleinigkeiten - aber sie erleichtern mein Leben ungemein.
Ich freue mich aber, dass Opera Mini und Opera Mobile so gut laufen und die Entwicklung der Desktop-Version ermöglichen, die trotzdem für Konkurrenz sorgt und Mozilla und Microsoft unter Druck setzt, ihre Browser zu verbessern.
Hickersberger Yourself
8. Juni 2008
Das ist lustiger, als ich es erwartet hätte:
Gibts unter derStandard.at/HickersbergYourself. (Man muss übrigens nicht zustimmen, dass das Foto auf derStandard.at veröffentlicht werden kann - das ist freiwillig!
Kalter, herzloser Republikaner
21. April 2008
Ein politisch interessierter Freund hat mir heute erklärt, warum er im November auf den Wahlsieg von John McCain hofft:
“Als Amerikaner wär ich natürlich für Obama, als Europäer aber hoffe ich auf einen kalten, herzlosen Republikaner, der den Krieg im Irak und in Afghanistan fortführt, als das Steuergeld in ein besseres Gesundheitssystem und eine Bildungsreform zu investieren. Anstatt dafür zu sorgen, dass möglichst viele Amerikaner das College abschließen, sorgen die Republikaner dafür, dass möglichst viele die Uniform tragen werden - um die Kriege zu führen, die für die westliche, demokratische Welt wichtig sind, für die Europa aber zu feige ist.”
Ich bin zwar ein (Mainstream-)Obama-Fan, Recht hat er trotzdem: Europa ist feige. Der Afghanistan-Krieg kann gewonnen werden, und Europa sollte daran ein großes Interesse haben. Wird der Krieg verloren, wird uns das sicher beeinflussen - ob wir wollen, oder nicht.
(Beim Irak-Krieg sieht die Situation ein bisschen anders aus. Wird der verloren, werden wir auch darunter leiden, hier sind wir aber niemandem Hilfe schuldig - hoffen wir, dass wir bei dieser Ausrede auch bleiben können und die Amerikaner die verschiedenen Bevölkerungsgruppen unter Kontrolle bekommen.)
Persönliche Daten im Internet
17. April 2008
Ich bin zwar ein Web-Freak, habe Profile bei einem ganzen Haufen Websites, habe einen Blog, den ich unter meinem echten Namen schreibe, etc. Ich bin aber auch ein Freund der Privatsphäre. Mir ist klar, dass Google mittlerweile viel über mich wissen muss. Aber bekomme ich diese Informationen auch wieder raus?
Ich hab das Experiment gemacht, und versucht, möglichst viele (unnötige bzw. unerwünschte) Informationen über mich aus der Google-Suchmaschine rauszubekommen.
Ich hatte dabei vier Ziele:
- Weg mit unnötigen Informationen (Profile, die ich nur zu Testzwecken angelegt habe, die keine Informationen beinhalten, außer, dass sie existieren)
- Weg mit unerwünschten Informationen (zB politische Meinungen, die mir im Berufsleben schaden könnten.)
- Prominentere Platzierung der erwünschten Profile (XING, LinkedIn, Facebook, mein Blog, Presentify - sie sollen nicht hinter anderen Seiten versteckt werden)
- Vermischen mit anderen, gleichnamigen Personen (Ein Suchergebnis ohne Foto oder sonstigen persönlichen Details verliert damit an Wert, da es nicht mehr eindeutig zugeordnet werden kann.)
Das ist ganz einfach gegangen: Ich hab auf www.google.com nach meinem Namen gesucht und geschaut, was kommt. Flickr-Profil, alter Blog, ehemaliger Projekt-Blog, neuer Blog, verschiedenste Website-Profile - alles mögliche ist aufgetaucht.
Eines nach dem anderen hab ich die Websites besucht, mich eingeloggt und versucht, die Accounts zu löschen, meine Daten zu verstecken oder wenigstens die persönlichen Daten auf allgemeine Daten zu ändern.
Heute, ca. ein Monat später, hab ich wieder gesucht und geschaut, was sich geändert hat. Et voilà: Meine Profile wurden stark ausgedünnt!
Meine Erfahrung
Google löscht Suchergebnisse, die als Websites nicht mehr existieren (logisch) und indexiert auch alles regelmäßig neu, dadurch war ich relativ erfolgreich beim Löschen meiner Daten. Es lohnt sich aber auch, mit Windows Live Search, Yahoo! und Ask zu suchen. Nicht, weil diese Suchmaschinen mehr Ergebnisse anzeigen (ganz im Gegenteil), sondern weil sie durch andere Ranking-Algoritmen auch andere Websites anzeigen.
Zum Glück bieten die meisten Websites bieten Möglichkeiten, die persönlichen Daten entweder zu verstecken oder die Accounts gleich ganz zu löschen.
Ausnahmen & Probleme
Benutzernamen
Es gibt Ausnahmen, das sind die Benutzernamen. Ich verwende bei einigen Websites meinen vollen Namen als Benutzernamen. Das wäre kein großes Problem, könnte man bei einigen Websites die Accounts nicht löschen! Heute beginne ich mit dem zweiten Schritt - ich werde die Websites anschreiben und um das Löschen meines Accounts bzw. Ändern meines Benutzernamen bitten. Ich bin gespannt auf den Erfolg dabei.
Profil-Bilder
Viele Websites, bei denen ich zwar mein Profil nicht löschen konnte, aber wenigstens die Daten “zerstörte”, hatten keine Funktion, um das Profil-Bild zu löschen. Das lässt sich leicht umgehen: Nehmt ein leeres Bild (Ich hab eine transparente 1×1 Pixel große GIF-Grafik genommen.) und ladet es hinauf - Problem gelöst.
Account löschen
Ein Grundsatzproblem, das ich oft entdeckt habe ist, dass man Accounts ganz einfach nicht löschen kann. Ich habe selbst mehrere Community-Websites entwickelt und weiß, dass man schwer einfach alle Daten einer Person aus einer Website entfernen kann, aber ich weiß, dass es durchaus möglich ist, persönliche Daten auf Wunsch der Mitglieder unerkennbar zu machen.
Eine andere Erfahrung war, dass manche Websites das Löschen der Accounts nur auf Anfrage durchführen. Digg beispielsweise meinen Account gelöscht, nachdem ich das per E-Mail angefordert habe. Ich sehe das als Problem, das Löschen eines Accounts sollte keine Support-Interaktion brauchen, sondern einfach mit einem Klick in den Account-Einstellungen gehen. Man weiß nie, ob so ein E-Mail nicht untergeht oder ewig lange zum Bearbeiten braucht. (Digg muss man zu Gute halten, dass der Account innerhalb einer Stunde gelöscht war.)
Langzeit-Speicher
Während ich von den Suchmaschinen meine Daten runter bekommen habe, gibt es einen zweiten Typ an Websites, die sich davon nicht beeindrucken lassen, weil sie diese Suchresultate längst gespeichert haben: Profil-Aggregatoren wie Spock und Langzeit-Suchmaschinen wie das Web Archive. Letzteres ist keine wirkliche Bedrohung, weil es sehr unbekannt und unglaublich langsam ist und zusätzlich die Suchalgoritmen nicht gerade der Hammer sind. Spock et al sind aber nicht zu unterschätzen. Sie durchsuchen das Web selbst und löschen alte Ergebnisse nicht, sondern behalten sie im System. (Klar, sie suchen ja nicht nach Websites, sondern nach Informationen.)
Man kann Spock zwar beeinflussen - es gibt aber das Risiko, Daten nicht mehr aus dem System zu bekommen. Am Klügsten ist es hier, das Profil für sich zu nützen und zu beeinflussen, um unerwünschte Informationen zu entfernen.
Presentify.com
Dieses Experiment hat mir für Presentify die Augen geöffnet, das ebenfalls persönliche Informationen sammelt. Wir ermöglichen es unseren Mitgliedern, ganz einfach ihren Account zu löschen - in diesem Fall werden bis auf den Namen alle Profil-Informationen (Alter, Geschlecht, Homepages, Profil-Bild, etc.) sowie Events (inkl. alle damit zusammenhängenden Daten) und Freundschafts-Einträge vollständig gelöscht, der Name wird zusammengestutzt (aus “Sebastian Moser” wird “Sebastian M.”). Was wir nicht löschen, sind die vom Mitglied erstellten Daten. (Nachrichten, Gästebuch-Einträge, Kommentare)
Ich denke, das ist ein vernünftiger Mittelweg.
Wie kann man den Prozess des Löschens der persönlichen Daten im Internet vereinfachen? Welche Standard-Regelungen sollte es geben?
ReadBurner ist zurück!
16. April 2008
Alexander Marktl’s ReadBurner ist eine kleine österreichische Web-Erfolgsgeschichte, die sich vor allem in den USA verbreitet und eine aktive Nutzerbasis etabliert hat. Qoove-Geschäftsführer Alex hat das Projekt in seiner Freizeit gestartet und darf A-List-Newcomer Louis Gray verdanken, dass der Service nicht nur sehr schnell Bekanntheit erlangt hat, sondern auch viel zu schnell gewachsen ist. Am 5. März ist ReadBurner offline gegangen, Alex hatte keine Zeit mehr dafür, am 14. wurde der Verkauf an eine Gruppe rund um Mashable-Redakteur Adam Ostrow angekündigt, am 15. April hat die neue Version gestartet.
Was ist ReadBurner?
ReadBurner analysiert Google Reader Shared Items-Feeds, die von den ReadBurner-Besucher/innen eingetragen werden können. Heraus kommt in etwa eine elitäre Version von Digg. Das “mitstimmen” erfordert nämlich einen Account bei Google Reader und ein Abonnement des Blogs, der ein bestimmtes Thema aufgebracht hat.
Vom Layout erinnert ReadBurner an eine Mischung aus Digg und Techmeme - man sieht, wie viele “Shares” ein Blog-Post erhalten hat (siehe Digg) und sieht rechts eine Liste an populären Posts der letzten Woche (siehe Digg), zu jedem Post werden wenn möglich ähnliche Posts angezeigt (siehe Techmeme).
Problem: Kommentar-Silos
Ein kleines Feature ist es aber, das die US-Blogosphere in den letzten Tagen auf Trab gehalten hat: Integrierte Kommentare mit Disqus. (Disqus ist ein zentraler Kommentar-Service, der in Blogs integriert werden kann und so die Kommentar-Silos aufzubrechen versucht.) Die meisten Blogs ermöglichen auf ihren Blog-Seiten Kommentare, ein wesentlicher Grund, die Blog-Websites überhaupt noch zu besuchen.
Dezentrale Kommentare auf Aggregator-Services erzeugen für die Blogger zwei Probleme:
- Es wird schwieriger und aufwendiger, den Kommentaren zu einem Blog zu folgen. Digg, ReadBurner, FriendFeed, sie alle bieten Kommentar-Funktionen an, alle in ihren eigenen Silos. (So sehr Disqus nämlich versucht, diese Silos aufzubrechen, bekommen ein Blog-Eintrag bei ReadBurner und im Original-Blog nämlich zwei separate Kommentar-Seiten.) Keine der Seiten ist bisher in der Lage, diese Kommentare an eine zentrale Stelle zurück zu posten. Interessant wäre es, wenn Disqus wenigstens den Aggregatoren erlauben würde, Kommentare zurück zum Original-Post zu schicken, wenn diese Disqus verwenden. FriendFeed könnte die Disqus-API nützen, um das gleiche zu tun.
Immerhin: Disqus kündigt an, die verschiedenen Kommentar-Stränge zusammenfügen zu wollen. - Die Blogs verlieren einen Teil ihrer Besucher/innen. Vor allem kommerzielle Blogs leben aber von Werbeeinschaltungen, vor allem auf ihren Websites. Nur wenige Blogs vermarkten bisher ihre Blogs auch im RSS-Feed. Das Blog-Geschäftsmodell steht erst am Anfang, noch gab es außer Weblogs, Inc. noch keine wesentlichen Exits, niemand weiß, ob es die überhaupt geben wird. Mit der Dezentralisierung der Kommentare wird das noch schwieriger.
Ich bin gespannt, ob ReadBurner diese Diskussion weiter anstacheln wird - ich bin sicher, dass die meisten kommerziellen Blog-Netzwerke (zB Techcrunch, GigaOm, PaidContent, Read/WriteWeb, Mashable oder Silicon Alley Insider) intern heftig diskutieren, wie sie dieser Schwierigkeit begegnen können.
